Zwischenraum und –zeit

Entwicklung und Untersuchung des öffentlichen Raumes in den Rändern und Nischen Istanbuls

Verfasserin: Alexandra Bauer
Studiengang: Masterthesis am Lehrstuhl Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume der TU München
Betreuer: Prof. Sören Schöbel (LAREG), Johann Christian Hannemann (LAO)
 


Copyright: Alexandra Bauer
 

Zusammenfassung der Arbeit
In der Arbeit über den öffentlichen Raum Istanbuls werden die Ränder und Nischen, also informell entstandene und historisch gewachsene Stadtviertel, als Potenzialräume zur Weiterentwicklung der Stadt betrachtet. Gegenwärtig werden diese Viertel dem Erdboden gleichgemacht, um Strukturen nach neoliberalistischem Modell zu errichten. Die neuen, gentrifizierten Stadtviertel bedingen Grenzen und erzeugen eine Trennung von kulturellen und sozialen Schichten.

Mit dem vorgeschlagenen Konzept wird an Stelle einer sozialen und kulturellen Segregation das Aufeinandertreffen und die Durchmischung von Kulturen im öffentlichen Raum geschaffen. Die Durchmischung von dominanter Kultur und Partikularkulturen in einer Metropole bildet die Grundlage für Zusammenleben und Urbanität.

Der erste Teil der Thesis beschäftigt sich mit Theorien von Soziologen zur Beziehung zwischen städtischem Raum und Mensch. Die Erkenntnisse aus dem theoretischen Teil werden im Folgenden anhand des bestehenden öffentlichen Raums der vier informellen Stadtviertel „Ayvansaray“, „Kustepe“, „Kuzguncuk“ und „Burhaniye“ überprüft. Im nächsten empirischen Schritt wird das räumliche Konzept im Sinne der Durchmischung von Kulturen im öffentlichen Raum erarbeitet und für „Ayvansaray“ exemplarisch entworfen. Hierfür wird zunächst ein am Bestand orientiertes Netzwerk für den öffentlichen Raum eingerichtet, welches das Stadtviertel zugänglicher und erfahrbarer macht. Es kann sich mit punktuellen Eingriffen im Laufe der Zeit aufbauen und erhält so Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Zudem heben die impulsartigen Eingriffe bestehende räumliche und kulturell bedingte Charaktere und Qualitäten „Ayvansarays“ hervor und entwickeln diese weiter.

 

Begründung der Preiswürdigkeit
 

Istanbul ist eine Stadt, die aufgrund seiner Geschichte seit jeher von verschiedenen Kulturen und Flüchtlingsströmen beeinflusst wird. Im Zuge der Flüchtlingswelle gewinnt die Frage des Umgangs und Zusammenlebens zwischen dominanter Kultur und Partikularkulturen nicht nur in Metropolen wie Istanbul, sondern auch hierzulande in Städten und ländlichen Räumen immer mehr an Bedeutung. 
 

Die Arbeit zeigt, wie wir als Landschaftsarchitekten urbane Räume und Stadtviertel beeinflussen und mitentwickeln können. Die Verantwortung als Landschaftsarchitekt im Hinblick auf die Gestaltung des öffentlichen Raums sieht sie als Möglichkeit das gegenseitige Wahrnehmen verschiedener Kulturen zu ermöglichen. Dies kann über eine Integration von Kulturen hinausgehen und zur Bildung einer Fähigkeit des Zusammenlebens in Diversität beitragen. 

Selten gelingt es in einer Abschlussarbeit, Theorie und Entwurf derart konsistent zusammenzuführen, wie es in dieser Arbeit gelungen ist. Die Arbeit ist in ihrer sozialen Aufgabenstellung, ihrer interkulturellen Kompetenz, in ihrer theoretischen Tiefe als auch in ihrer entwerferischen Qualität herausragend. Sie ist für die in vielen Teilen Europas in den nächsten Jahren anstehenden urbanen Integrations- und Kohäsionsaufgaben richtungs­weisend.

 

 

 

Geschrieben am 17.11.2015 - geändert am 14.12.2015

 

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