RISIKO LANDSCHAFT Zhouqu

Management von Hangrutschungen und Schlammlawinen in einem integrierten städtebaulichen und landschaftsarchitektonischen Konzept 
 
Verfasser: Dihang LIN
Studiengang: Masterthesis am Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und öffentlicher Raum der TU München
Betreuer: Prof. Regine Keller, M.Sc. Johann-Christian Hannemann
 


Copyright: Dihang Lin

Zusammenfassung der Arbeit
Am 8. August 2010 kommt es in der Stadt Zhouqu in der chinesischen Provinz Gansu zu Erdrutschen und Überschwemmungen in Folge derer mehr als 1.500 Menschen ums Leben kommen und mehr als 20.000 Menschen betroffen sind. Die Schlammflut zieht eine fünf Kilometer lange, 500 Meter breite Schneise durch das Tal und die Stadt. Ein Drittel der Stadt wird verwüstet, durch die Entstehung eines Abdämmungssees an der Mündung des Flusses Bailong entstehen verheerende Überschwemmungen im Stadtgebiet. 
 
Für den Wiederaufbau und den Bau von Schutzinfrastrukturen in den Katastrophengebieten werden von der Zentralregierung rund 760 Millionen Euro bereitgestellt, zwei neu gebaute Abflusskanäle zerschneiden seither als technische Infrastruktur das Tal und die Stadt ohne im Freiflächenkonzept der Stadt eingebunden zu werden. Mangels eines landschaftlich, ingenieurstechnisch und sozial integrierten Risikomanagement-Plans ist die Stadt jedoch weiterhin von Überschwemmungen durch im Fluss abgelagerte Erdmassen bedroht.
 
Das Ziel der Arbeit ist es eine Stadtentwicklungsstrategie im Kontext von Schlammlawinen zu entwickeln. Dafür werden natürliche und anthropogene Ursachen von Hangrutschungen und Schlammlawinen analysiert und Schlussfolgerungen in ein Entwicklungskonzept für Zhouqu, ihre Freiflächen und naturräumlichen Elemente Fluss und Topographie zusammengeführt. Das vorgeschlagene Management von Hangrutschungen und Schlammlawinen in einem integrierten Landschaftskonzept enthält nicht nur ingenieurstechnische und städtebauliche Maßnahmen, sondern auch die Regeneration von Ökosystemen, eine nachhaltige Landnutzung und die Verbesserung städtebaulicher Infrastruktur und der Freiraumsysteme.
 
Begründung der Preiswürdigkeit

Dihang Lin zeigt in seiner Arbeit Risiko Landschaft Zhouqu eindrücklich, wie durch eine präzise technische, natur- und stadträumliche Analyse und reflektierte Auseinandersetzung mit Schlüsseltechnologien des Wasserbaus und der Ingenieursgeologie funktionale und landschafts- und stadträumlich ansprechende Entwicklungsstrategien für städtische Freiräume in Gefahrenzonen entwickelt werden können, die einerseits Infrastrukturen und Strategien zum Schutz vor Gefahren aufweisen aber andererseits zusätzlich intelligente Raumnutzungskonzepte integrieren, die zukünftigen Naturkatastrophen vorbeugen, indem sie deren Auswirkungen abmindern oder zeitlich verzögern.

Lin entwickelt aufbauend auf einer regionalen Management-Strategie eine räumlich differenzierte, bis in den Quartiers-Maßstab hineinüberzeugende Landnutzungs- und Freiraumstruktur, die mit einfachen, aber wirkungsvollen landschaftsarchitektonischen Mitteln die Nutzungen des durch die Katastrophe entstandenen Uferraumes als städtischer Freizeit- und Erholungsraum und als ästhetischer, produktiver Landnutzungsraum mit ökosystematischem Mehrwert in Stadtnähe ermöglicht.

Die „Infrastrukturlandschaft“ bestehend aus notwendigen technischen Retentions- und Überflutungsschutzbauwerken wird als identitätsstiftendes Rückgrat gekonnt aufgewertet und mit funktionalen ästhetischen, sozialen und  technischen Komponenten versehen. Dadurch entwirft Lin eine vielfältig lesbare und anpassungsfähige Parklandschaft, in der sowohl soziale und technische Komponenten eines Frühwarnsystems mit Evakuierungsrouten und zentralen Notunterkünften in sicherer Lage eingebettet liegen, wie auch Orte der Erinnerung, Retentionsflächen, naturräumlich angepasste Landnutzungssysteme und Freizeitflächen. 

Der inhaltlich und grafisch herausragende Entwurf zeigt, wie eine trennende Infrastruktur durch kluge Integration Disziplinen übergreifende Strategien und Maßnahmen zu einem Stadtteil-verbindenden Freiraum entwickelt werden kann.
 
 
 
 
 

Geschrieben am 17.11.2015 - geändert am 14.12.2015

 

© 2016 Bund Deutscher Landschaftsarchitekten bdla

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