Zur Umgestaltung der Panke in Berlin-Pankow

In den letzten Wochen wurde in der Öffentlichkeit wiederholt Kritik an den Plänen zur Umgestaltung der Panke geübt. Nach Beschäftigung mit den öffentlich zugänglichen Unterlagen zum Projekt meinen wir: zu Recht! 

Das Bestreben, die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen, ist natürlich grundsätzlich positiv. Doch die Art und Weise, wie dies in diesem Fall  geschieht, ist, vorsichtig formuliert, suboptimal. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier eine sehr monofunktionale Planung betrieben wird, die einseitig die Gewässerökologie zu optimieren versucht, zu Lasten aller anderen Belange. Nicht einmal andere ökologische Aspekte werden ausreichend berücksichtigt. So sind umfangreiche Baumfällungen geplant, auch von sehr alten Bäumen, die als Naturdenkmale wie auch als Kulturdenkmale schützenswert sind. Und auch Biotope seltener Tierarten sowie empfindliche Böden werden beeinträchtigt.

Erst recht werden Belange der Erholung, der Parkgestaltung und des Denkmalschutzes ignoriert. Die Panke verläuft durch Bezirke, die stadteinwärts bereits stark verdichtet sind. Flussaufwärts sind in erheblichem Maße weitere Verdichtungen geplant. Deswegen kann der Verlust von Erholungsflächen für Retentionsflächen nicht akzeptiert werden. In anderen Ländern (Frankreich, Niederlande, Dänemark) gibt es Beispiele, wie in Parkanlagen Erholung und Hochwasserschutz kombiniert werden können. Daran sollte man sich orientieren.

Ein gut geplantes Rad- und Fußwegenetz ist ebenso wichtig für die Erholung wie auch für den Klimaschutz in Berlin. Der vorliegende Entwurf schneidet des Öfteren wichtige Bezüge ab, verschlechtert die Attraktivität vorhandener Wege und mindert so die Chancen, Autoverkehr durch Radverkehr zu ersetzen. Damit wiederum werden die Chancen zur Abmilderung des Klimawandels reduziert. Innerstädtische Erholungsangebote sind wichtig, um Menschen in der Stadt einen Ausgleich zu ermöglichen und das gewünschte Lebensumfeld zu bieten, damit sie nicht die Landschaft zersiedeln und auf motorisierten Individualverkehr umsteigen. Auch das gehört zur Nachhaltigkeit.

Zur Erholung gehört auch das Genießen von schön gestalteten Parkanlagen. Im Planungsgebiet sind drei Parkanlagen betroffen, die wegen ihrer besonderen Qualität sogar unter Denkmalschutz stehen und bei der Bürgerschaft sehr beliebt sind. Jede Anlage hat ihren eigenen Gestaltungsstil, der bei Änderungen zu berücksichtigen ist. Diese dürfen nur im Einvernehmen mit dem Denkmalschutz erfolgen. Sollten Eingriffe unabdingbar sein, so müssen sie auf gestalterisch höchstem Niveau im Geiste des Gesamtkonzepts erfolgen. Dazu sind ggf. qualifizierte Verfahren, wie z.B. landschaftsplanerische Wettbewerbe, durchzuführen.

Besonders absurd wird es, wenn nur eine Uferseite umgestaltet wird, die andere aber unverändert bleiben soll. Dies ist eine im wahrsten Sinne des Wortes einseitige Betrachtungsweise.

Bei der Planung grüner Infrastruktur ist stets der gesamte Verflechtungsraum einzubeziehen. Nur auf die Gewässertrasse zu gucken, verengt den Blick unzulässig. Auch wenn Gewässer lineare Elemente sind, so haben sie weitreichenden Einfluss auf die umliegenden Gebiete. Diese sind in einer städtischen Umgebung nicht nur ökologischer, sondern auch kultureller, sozialer und verkehrlicher Art.

Im vorliegenden Fall ist es erforderlich, die Verknüpfung mit den Nachbarschaften, wie sie in verschiedenen ISEKs geplant werden, zu berücksichtigen und ein gut funktionierendes, attraktives Rad- und Fußwegenetz zu erhalten, ggf. neu zu schaffen. Dies funktioniert nur unter Betrachtung des Gesamtraums. Dabei muss im Einzelfall auch einmal der Gewässerumbau zurückstecken, um alte Bäume oder wichtige Wegebeziehungen zu erhalten. An einigen Mäandern weniger wird die Gesamtwirkung nicht scheitern.

Zur Nachhaltigkeit gehört auch die Berücksichtigung der nachfolgenden Pflege. Es nutzt wenig, für viel Geld ökologisch vorteilhafte Elemente zu bauen, wenn sie im Anschluss nicht gepflegt werden können. Sonst beginnt der Verfall gleich nach der Einweihung. Hier ist eine enge Abstimmung mit den Grünflächenämtern erforderlich. Für entstehenden Mehraufwand müssen der Grünflächenpflege aus der Gewässerunterhaltung Finanzmittel zweckgebunden übertragen werden.

Alles in allem fehlt es an einer ganzheitlichen Betrachtungsweise, die alle Elemente der Landschaft einbezieht. Dazu gehört auch die Bevölkerung, dazu gehört neben den naturnahen Elementen auch die Kulturgeschichte des Raums. Sie stiftet Identität und Zugehörigkeitsgefühl. Auch das gehört zur Nachhaltigkeit.

Umgestaltungen sind immer künstlich. Auch wenn sie einem “naturnahen“ Leitbild folgen, es bleibt Menschenwerk. Man kann nicht „nicht gestalten“, wenn man eingreift. Leitbilder ändern sich, aber es steht immer menschliches Wollen dahinter.

Aus all diesen Gründen ist die Überarbeitung des Planwerks zum Planfeststellungsverfahren erforderlich. Zudem darf das Planfeststellungsverfahren keine Bindungen enthalten, die bei genauerer Betrachtungsweise nicht mehr revidierbar sind. Es zeigt sich in Planfeststellungsverfahren immer wieder, dass aufgrund des zu groben Maßstabs zu früh Festlegungen getroffen werden, die in den nachfolgenden Detailplanungen überdacht werden müssten.

Eine ganzheitliche Herangehensweise bezieht die Menschen als Teil der Umwelt mit ein. Im städtischen Umfeld ist jede andere Vorgehensweise unakzeptabel und obendrein langfristig zum Scheitern verurteilt, also nicht nachhaltig. Aus diesem Grund fordert der BDLA ein Überdenken der bisherigen Vorgehensweise zugunsten einer alle Belange im Raum integrierenden Planung und Gestaltung.


Geschrieben am 23.11.2015

 

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