Der bdla Berlin-Brandenburg spricht sich für die Erhaltung der innerstädtischen Freifläche des Tempelhofer Feldes nach Einstellung des Flugbetriebs aus

Der Vorsitzende Jens Henningsen widerspricht der von Axel Hoffmann-Axthelm im Tagesspiegel vom 07.01.07 vertretenden Position aus städtebaulicher und landschaftsarchitektonischer Sicht:

Betr.: Das Loch in der Stadt, Tagesspiegel v. 7.1.07

So plausibel der Beitrag von Dieter Hoffmann-Axthelm auf den ersten Eindruck erscheint, so muss ihm doch in wesentlichen Punkten aus städtebaulich - landschaftsarchitektonischer Sicht widersprochen werden.

Der angebliche Berliner Reflex, aus freiwerdenden innerstädtischen Verkehrsflächen Grünanlagen zu machen, ist kein solcher, sondern wohlüberlegte Handlung, die in der Tat alte Fehler der Stadtentwicklung heilen soll. Nur sind das andere als die, die Hoffmann-Axthelm sieht. Viele innerstädtischen Quartiere, besonders die mit problematischer Sozialstruktur, leiden unter einem Mangel an benutzbaren Freiflächen, nicht an einem Mangel an bebaubaren Flächen. Fehlende Verbindungen für Fußgänger und Radfahrer zwischen Quartieren werden bei der Freiraumgestaltung mitgeliefert (wie z.B. aktuell auf dem Gleisdreieck geplant).

Auch die stadtwirtschaftliche Betrachtungsweise ist höchst einseitig. Die Grünausstattung einer Stadt wird als weicher Standortfaktor immer wichtiger. Nach einer Befragung, in der sich Gäste aus dem Ausland über die Vor- und Nachteile Berlins äußern, hebt etwa jeder zweite das Berliner Grün positiv hervor. In der Berlin Studie – Strategien für die Stadt heißt es „Freiräume sind wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklung, insbesondere einer erklärten Innenentwicklung...“. Sowohl für die Gesamtstadt wie für einzelne Standorte ist Grün ein wertsteigernder Faktor. Deswegen wurden die heute noch funktionierenden Quartiere stets gut mit Parks und Plätzen ausgestattet. Beispiele in Berlin sind der Schöneberger Stadtpark, der Victoria-Louise-Platz und der Rüdesheimer Platz. In anderen Quartieren, nicht zuletzt in Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof fehlen derartige Freiraumqualitäten. Dass die Chance der Nachbesserung genutzt wird, sollte selbstverständlich sein. Auch die genannten Problemgebiete am Rand des Flughafen Tempelhof könnten erheblich aufgewertet werden, wenn sie an einem Park liegen würden. Und die Probleme der Gropiusstadt sind doch nicht durch ihre Lage in der Stadt bedingt, sondern durch die Form der Bebauung und die Belegungspraxis.

Die Ausführungen von Hoffmann-Axthelm zur Parkpflege sind so nicht zutreffend. Abgesehen von der mangelnden Bereitschaft der öffentlichen Hand, die erforderlichen Mittel in die Grünanlagenpflege zu investieren, ist das Erscheinungsbild der Hasenheide nicht zuletzt deswegen so problematisch, weil sie im Sommer regelmäßig durch (zu) viele Besucher extrem stark genutzt wird. Eine Entlastung wäre also sehr erstrebenswert. Die Probleme der Drogenszenen sind gesamtgesellschaftliche Probleme, die sich nicht dadurch lösen lassen, dass man alle Parks abschafft.

Sicherlich muss ein neuer Park erhalten werden und das kostet Geld. Aber auch hier werden längst neue Formen zur Pflege von Parks und Grünanlagen geplant und auch umgesetzt. So werden z.B. die großen Freiflächen in Adlershof von Schafen freigehalten, was sich kostensenkend auswirkt. Bei ausreichender Flächengröße – die wäre in Tempelhof gegeben - kann dies sogar kostenneutral sein.
Im übrigen sind bei keinem der genannten Beispiele nur Grünflächen geplant bzw. entstanden. Stets sieht das Konzept eine ausgewogene Mischung zwischen Bebauung und Freiflächen vor. Auch die Planung für den Flughafen Tempelhof von 1999 (Verfasser: Kienast Voigt, Zürich und Albers, Berlin) sieht einen Anteil von Bauflächen vor, z.B. entlang des Mehringdamms für Freizeitangebote, die einerseits eine gute Erschließung brauchen, andererseits aber in Wohngebieten eine Belastung wären. Dieses Konzept ist ein erster Vorschlag, der je nach Nachfrage weiter zu entwickeln ist.

Nicht zuletzt ist die Offenhaltung der Fläche auch von erheblicher stadtklimatischer Bedeutung. Gerade unter dem Gesichtspunkt der Klimaveränderung ist die Kühlwirkung großer zusammenhängender Freiflächen von zunehmender Wichtigkeit.

Es bleibt zu hoffen, dass dem Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm der Blick auf die Bedeutung der Grün- und Freiflächen in der Stadtentwicklung gelenkt wurde. Vielleicht werden dann ja nächste Beiträge ausgewogener.

Jens Henningsen, Vorsitzender Bund Deutscher Landschaftsarchitekten Berlin-Brandenburg

 


Geschrieben am 07.01.2007 - geändert am 11.12.2012

 

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