Eppendorfs grüne Seele in Gefahr

Der Seelemannpark an der Heilwigstraße ist ein wichtiges Stück Hamburger Gartenkunstgeschichte, dieses Idyll ist nun bedroht.

Einst gehörte der Seelemannpark zum Besitz der Familie Seelemann, die hier ein gastfreundliches Landhaus besaß. Die Stadt erwarb das Grundstück zwischen Johanniskirche und Alster, um den Garten für die Öffentlichkeit zu erhalten. Um 1925 gestaltete Hamburgs erster Gartendirektor Otto Linne das Areal zu einem Reformpark mit zentraler Wiesenfläche und kleinem Kinderspielplatz um. In dieser Gestalt besteht der heute denkmalgeschützte Park im Wesentlichen bis heute. Von vielen Eppendorfern wird der Seelemannpark als Erholungsraum genutzt.

Dieses Idyll ist nun bedroht, seit der Bezirk Hamburg-Nord plant, den Park für mehrere Jahre mit einer Folgeunterkunft für Flüchtlinge zu bebauen. Eine Konzeptstudie sieht dreistöckige Gebäude vor, die etwa ein Drittel der Fläche des Parks einnehmen. In der Folge würde der Park nicht nur seine Denkmalwürdigkeit verlieren – so sieht es die Mehrheit der Experten –, sondern er wäre auch in seinem langfristigen Bestand als öffentliche Grünfläche bedroht.

Es ist fraglich und bis heute nicht vollständig transparent gemacht, nach welchen Kriterien der Seelemannpark in Eppendorf als Standort für Folgeunterkünfte ausgewählt wurde. Zufluchts- und Integrationsorte, die unsere Stadt so dringend benötigt. Diese sollten aber nicht zur Existenzbedrohung einer denkmalgeschützten Parkanlage und einem besonders für die älteren Menschen so wichtigen wohnungsnahen Erholungsraum führen. Hier würde eine öffentliche Parkanlage baulich in Anspruch genommen werden, an die gemäß Freiraumbedarfsanalyse 2012 Quartiere mit mittlerem bis hohem Freiraumdefizit angrenzen. Gerade in diesen ohnehin hoch verdichteten Lebensräumen unserer Stadt besteht ein prioritärer Handlungsdruck für die Verbesserung der Freiraumversorgung und sollte einer weiteren Verknappung qualitativ hochwertiger Grünflächen entschieden entgegengetreten werden.

Wir appellieren daher an die Bezirksversammlung: Erhalten Sie den Seelemannpark unverändert und vollständig als öffentliche Parkanlage und Gartendenkmal!

Im Namen des Vorstands, Holger Paschburg
Vorsitzender Bund deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) Landesverband Hamburg e.V.


Geschrieben am 20.02.2017

 

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