Rückblick Gartenwelten - Besondere Orte- Flora Köln

Die Flora ist ein besonderer Ort und es lohnt sich für den Erhalt dieses Gartenkunstwerkes zu kämpfen. "Aktuell beschäftigt insbesondere die Sorge um den Erhalt des großen Tropenhauses den Freundeskreis Botanischer Garten e.V.", erläuterte Gerd Bermbach, Landschaftsarchitekt bdla und Geschäftsführer des Freundeskreise den ca. 50 angereisten Gästen.

In Nordrhein-Westfalen wird, unter der Überschrift „Gartenwelten 2013 - 100 besondere Orte“, die Verbandsgründung des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) vor 100 Jahren im Rahmen von zehn Veranstaltungen an den verschiedensten Orten des Bundeslandes mit attraktiven Führungen und Vorträgen gefeiert. Mit ihnen will der Verband nicht nur Fachleute, sondern eine breitere Öffentlichkeit über das Arbeitsgebiet der Landschaftsarchitektur informieren und für qualitätsvolle Freiräume begeistern. Gemeinsam mit den planenden Landschaftsarchitekten/innen lädt die Landesgruppe nw zu Führungen durch besondere Orte in Nordrhein-Westfalen ein.

Einer dieser Besonderen Orte ist die Flora Köln, in der die vierte Veranstaltung dieser Reihe stattfand. Nach einer Begrüßung durch Norbert Kloeters, Vorstand bdla nw, und Dr. Stephan Anhalt, Direktor der Flora und Geschäftsführer des Verbandes botanischer Gärten, führte Gerd Bermbach, Landschaftsarchitekt bdla und Geschäftsführer des Freundeskreis Botanischer Garten Köln e.V. durch den Park.

Geplant wurde der Park unter anderem von m Peter Joseph Lenné (1862) und Peter H.H. Esser (1914). Seit 1984 wird der Park unter gartendenkmalpflegerischen Gesichtspunkten vom Landschaftsarchitekten Gerd Bermbach, Nümbrecht, neu in Wert gesetzt.  Flora und botanischer Garten beherbergen im Freiland und in den Gewächshäusern mehr als 10.000 Pflanzenarten aus allen Vegetationszonen dieser Erde. Das gesamte Gartenensemble gilt als Musterbeispiel des Historismus. Es ist damit ein herausragendes Gesamtkunstwerk aus historischem Park und botanischem Lehrgarten.

Die FLORA wurde von wohlhabenden Bürgern als Aktiengesellschaft gegründet und 1862-64 nach Plänen Peter Joseph Lennés als „Botanischer Zier- und Lustgarten“ angelegt. Lennés Absicht war es, die "Geschichte der Gartenkunst in den verschiedenen Stylarten zur lebendigen Anschauung zu bringen". Mittelpunkt der Anlage ist der Glaspalast, ein für die damalige Zeit herausragendes Bauwerk aus Gusseisen und Glas, dessen Gestaltung sich am Londoner „Crystal Palace“ von Joseph Paxton orientierte. Das Glashaus wird derzeit renoviert und soll dann wieder als Veranstaltungsstätte für Feste zur Verfügung stehen. Das prächtige Französische Parterre liegt, gerahmt von einer Rosskastanienallee, zwischen Torhäusern und Glaspalast. Es ist mit seinem reichen Blumenflor typisch für das 19. Jahrhundert.

An der Terrassenschmalseite wird mit einer Kaskade, Laubengängen aus Hainbuchen und ehemals einem Flora-Tempel die Italienische Renaissance zitiert. Partien im Stil Englischer Landschaftsgärten mit Weiher und vielfältigem Gehölzbestand betten die formalen Parkteile ein. Einige der vor fast 150 Jahren gepflanzten Hainbuchen stehen heute noch.

Zur Deutschen Kunstausstellung 1906 entstand nach dem Entwurf von J. M. Olbrich als Element des Jugendstils der Frauen-Rosenhof mit seinem Roten Garten. "Auch wenn wir hier heute noch Rosen zeigen, der Platz ist eigentlich für die Präsentation von Rosen sehr schwierig, da er sehr schattig und feucht ist", erläuterte Bermbach. 1914 wurde angrenzend der Botanische Garten als „Stätte der Wissenschaft“ mit botanischem Pflanzensystem, Alpinum, Wasserfall und Weiher eröffnet.  Viele der Gärten und Parkflächen werden heute unterstützend durch unsere "Unkrautjäger" gepflegt. Auf dieses ehrenamtliche Engagement sind wir sehr stolz. Von den ehemals 44 Gärtner sind heute noch 17 im Einsatz. Wie die meistens innerstädtischen Freiflächen musste auch die Flora mit einem geringeren Etat die vielfältigen Arbeiten erledigen.

Nach Kriegszerstörungen kamen in den 1950-er Jahren neue Tropen-, Subtropen- und Wüstenhäuser hinzu. Ein neues Gewächshausensemble ist zum 150. Jubiläum 2014 geplant. Das große Tropenhaus ist derzeit nicht für Besucher zugänglich, da die Baukonstruktion stark angegriffen ist. Über eine große Unterschriftenaktion hatte der Förderverein schon vor Jahren 37.000 Unterschriften für den Erhalt des Tropenhauses gesammelt. Der Abriss wurde daraufhin erst einmal gestoppt. Jetzt muss Geld her und die Politik ist gefragt. "Hier geht es nicht nur um dem Erhalt eines Gewächshauses. Viele der Pflanzen, die dort präsentiert werden sind in ihren Ursprungsländern ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Dort wächst ein unermesslicher Schatz, ähnlich wertvollen Bildern eines Museums," warb Gerd Bermbach für den Erhalt dieses biologischen und kulturellen Erbes.

Letzte Stationen waren dann die vor einigen Jahren gepflanzte Palmenallee, die einzige ausgepflanzte in Deutschland, und der WDR-Lokalzeitgarten, in dem regelmäßig Rüdiger Ramme seine beliebte Gartensendung aufnimmt.

Am Ende des Rundganges bedankte sich Norbert Kloeters für die fachkundige und engagierte Führung bei Gerd Bermbach. Die Flora ist und bleibt einer der wirklich besonderen Parkanlagen in Nordrhein-Westfalen, dass hat der heutige Rundgang wieder einmal bewiesen. Weitere Informationen zum Flora Köln finden Sie unter www.freundeskreis-flora-koeln.de


Geschrieben am 30.06.2013

 

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