20. Neujahrsempfang 2017

In einem kurzweiligen Podiumsgespräch ging es um die Frage des Wertes von grüner Infrastruktur in Thüringen

20 Jahre, das ist ein wirklicher Grund zum Feiern. Was als Neujahrsempfang der Thüringer Landschaftsarchitekten begann, ist heute als gemeinsamer Neujahrsempfang der „grünen Verbände“ bdla, DGGL und FGL eine feste Größe und ein wichtiger Treffpunkt für die Branche geworden. Statt der üblichen Grußworte und Reden setzten die Veranstalter in diesem Jahr auf ein kurzweiliges Podiumsgespräch zum Thema „Grüne Infrastruktur“. Unter der Moderation der ehemaligen Geschäftsführerin der Architektenkammer Thüringen, Gertrudis Peters, sollten Vertreter der beiden für die grünen Verbände zuständigen Ministerien und der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) im Kanonenhof des Deutschen Gartenbaumuseums berichten, was für einen Wert und welche Wertschätzung die Investitionen in grüne Infrastruktur im Freistaat Thüringen haben. Das Thema sei derzeit bundes- und EU-weit in aller Munde und vor allem der funktionale Mehrwert werde immer mehr in den Vordergrund gerückt, so Peters. Ein Stichwort sei u.a. die Resilienzförderung.

Die Referatsleiterin für Städtebau, Städtebau- und Schulbauförderung im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, Anja Maruschky, erläuterte, die grüne Infrastruktur sei ein wichtiges Thema für eine nachhaltige Stadtentwicklung und habe eine Querschnittsaufgabe bestehend aus Lebensqualität, Ökologie und Grünflächenentwicklung. Grüne Infrastruktur trage viel dazu bei, die städtebaulichen Missstände auszugleichen. Auch ihr Kollege Hans-Jürgen Schäfer, Abteilungsleiter im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz sieht eine wachsende Bedeutung in grüner Infrastruktur. Für ihn ist das Thema eine Herzensangelegenheit. „Aber nur mit einem Käseglocken-Naturschutz werde man der Materie nicht gerecht. Erforderlich sind auch landschaftsgestalterische Elemente, die Natur erfahrbar machen als Strukturelement in einer Kulturlandschaft“, so Schäfer. Naturnaher Lebensraum und Gestaltung von Natur schließen sich nicht aus.

Am Beispiel der Wasserrahmenrichtlinien erklärte Martin Feustel, Präsident der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, das enge und positive Miteinander von Wasserbauingenieuren und Landschaftsplaner „Man ist noch nicht da, wo man hin will, aber nun geht es nach einer langen Planungsphase in die Umsetzung vieler Projekte. Wir schaffen in den kommenden Jahren neue Räume an dem Gewässer und mit dem Gewässer und dazu brauchen wie Landschaftsarchitekten und Städteplaner“, so Feustel. In Eisenach wurden z.B. 20 Millionen Euro in die Hochwassersicherheit der Stadt investiert. 

Emotional war das Statement von Thomas Bleicher, DGGL-Vorsitzender in Thüringen und zugleich Leiter des Bau-, Grünflächen- und Umweltamtes in Weimar. Auf die Frage, wie selbstverständlich es für Städte trotz vieler Etatschwierigkeiten ist, sich auch um grüne Infrastruktur zu kümmern, sprach er zuerst vom Misstrauen gegenüber der Wortkombination. „Die Diskussion um grüne Infrastruktur hat aber in der Begrifflichkeit auch einen sehr positiven Moment. Es ist schlicht und ergreifend eine Gleichsetzung der Grünräume mit der grauen Infrastruktur. Grün ist notwendig für unsere Daseinsvorsorge, sie ist einfach unverzichtbar. In der Konkurrenz zu anderen sozialen und städtischen Belangen muss eines klar sein: wir haben nur begrenzt Ressourcen, auf die wir alle zugreifen. Das Hauptthema ist da die Flächenverfügbarkeit. Da geht das sektorale Denken, nur Verkehrsräume zu planen oder Hochwasserschutz zu organisieren, nicht auf. Man kann so etwas nur gemeinsam lösen.“

Jens Heger, FGL-Präsident Hessen-Thüringen, sieht immer noch ein großes Beschäftigungsfeld für grüne Infrastruktur. Er wies aber auch darauf hin, dass die Pflege bei den Kommunen eine immer geringere Rolle spielt. Das ginge zu Lasten der Qualität. „Man muss das als Ganzes sehen. Nicht nur die Investition auch die Folgekosten müssen in den Blick genommen werden, d.h. eine dauerhafte Entwicklungspflege. Es macht keinen Sinn, grün in die Städte zu holen und sich danach nicht darum zu kümmern.“

Werner Alkewitz, Thüringer bdla-Vorsitzender, sagte im seinem Statement wie sich in den vergangenen zwanzig Jahren das Image der grünen Verbände gewandelt hat. In den ersten Jahren wurde viel dafür getan, wahrgenommen zu werden. Mittlerweile seien der Beruf des Landschaftsarchitekten und seine gesellschaftliche Relevanz anerkannt. Das gelte auch für die zunehmende Bedeutung grüner Infrastruktur.

Bereits im Vorfeld zum 20. Neujahrsempfang blickte Alkewitz optimistisch auf die kommenden Monate. Denn mit der Landesgartenschau in Apolda gibt es eine attraktive Großveranstaltung, die das Thema „Garten“ erneut voranbringen wird. „Eine weitere Landesgartenschau für 2024 ist bereits beschlossene Sache und mit den fünf Bewerbern Mühlhausen, Altenburg, dem Städtedreieck Saalfeld/Rudolstadt/Bad Blankenburg sowie Leinefelde-Worbis und Treffurt/Mihla/Creuzburg sind spannende Regionen vertreten. Wichtig für uns ist es, dass sich diese Schauen wieder fester in den Köpfen der Bevölkerung verankern. Dazu wäre es gut, bereits frühzeitig Signale für weitere Veranstaltungen in den Jahren 2028 und 2032 zu geben.“ Aktuell wird eine Kommission zusammengestellt, die nach der Abgabe der Machbarkeitsstudien im März die Bewerberstädte genau unter die Lupe nehmen soll. Eine Entscheidung über den Austragungsort der Schau 2024 wird dann voraussichtlich im Sommer erwartet.

Zufrieden zeigt sich der Landesverband auch mit den aktuellen Planungen zur Bundesgartenschau in Erfurt 2021. Nach der vorgebrachten Kritik in den vergangenen Jahren war 2016 ein gutes Jahr für die künftige BUGA. „Wir hatten viele Gründe, den Stand der Planungen zu bemängeln, aber nun geht es spürbar voran. Die Maßnahmen im egapark Erfurt als einen von drei Standorten der BUGA wurden vorangebracht und zu Teilen erfolgreich umgesetzt. Auch im Nordpark gibt es Bewegung. Es wird vielleicht der Geländeteil mit den größten Überraschungen“, so Alkewitz.

Kritik gibt es unterdessen noch an den Überlegungen zum Petersberg als dritten Standort innerhalb der Stadt. „Der Petersberg ist und bleibt ein Reizthema für uns. Wir vermissen da den großen inhaltlichen Schritt. Es gibt Ideen, aber es fehlt an einer Lösung. Ich freue mich aber, dass es nach langem Hin und Her endlich einen kompetenten Ansprechpartner seitens der Stadt gibt, der nun alle Befindlichkeiten ordnen kann“, erklärt Alkewitz.

Wie schon in den vergangenen Jahren wurde der 20. Neujahrsempfang in Thüringen von der Baumschule Lorberg, Rinn Beton- und Natursteine sowie der Leipziger Leuchten GmbH finanziell unterstützt. 

Jens Haentzschel


Geschrieben am 13.02.2017 - geändert am 14.02.2017

 

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