1. bdla-Entwerfertage erfolgreich beendet. "Verwendung des Materials ist eine Frage der Haltung"

© Manuel Frauendorf

Auch das neueste Veranstaltungsformat des bdla stieß auf reges Interesse: Über 160 Teilnehmer waren zu den Entwerfertagen am 28. und 29. September 2018 in den Taut Saal im Deutschen Architektur Zentrum in Berlin gekommen. Sehr zur Freude von Moderator und bdla-Vizepräsident Stephan Lenzen, der bereits für das kommende Jahr einen größeren Saal ankündigte. Er hatte für die zwei Tage ein breites Spektrum an Themen zusammengestellt und sich dabei auf die Schwerpunkte Beton, Naturstein und Entwurfstechniken konzentriert, immer wieder aufgelockert durch Werkberichte.

Der Freitag startete mit Markus Brunner vom InformationsZentrum Beton GmbH aus Berlin. Der Bauingenieur berät in allen Fragen rund um Beton, von der Technik bis hin zur Ausschreibung. Für die Teilnehmer gab er einen Einblick in die Welt des Fotobetons, der Fotogravur und der Betografie – Methoden, mit denen sich auch im Außenraum auf vertikalen Betonflächen interessante Effekte erreichen lassen.

Weg vom Flächigen führte dann Kathrin Aste vom österreichischen Architekturbüro LAAC, die unter anderem den Landhausplatz in Innsbruck vorstellte. „Der Platz ist ein Körper“, betonte sie und erzählte vom Abenteuer, eine Betonskulptur als begehbaren Platz zu bauen. Das anspruchsvolle Projekt wurde mit Ortbeton realisiert. Lange tüftelten die Planer an der Zusammensetzung des Betons, an Form und Aufbau der einzelnen Kubaturen und deren Bearbeitung.

Ähnlich, sich an das bestmögliche Ergebnis herantastend, gingen KEHRBAUMARCHITEKTEN AG aus München bei den Stampfbetonmauern des Waldfriedhofs in Landsberg am Lech vor. Entscheidend sei vor allem eine Firma zu haben, betonte Büroinhaber Johannes Eck, die Lust hat, Dinge durchzutesten: mit Muster, Körnung und Farbgebung der Mauern so lange experimentieren und ausprobieren, wie fest gestampft werden muss, bis alles passt.

Das Themenspektrum Beton- und Naturstein rundeten Detlef Richter von Steinzeit Natursteine GmbH aus Bonn, der Bildhauer und Steinmetz Michael Senn aus München und Viktor Mechtcherine vom Institut für Baustoffe an der Technischen Universität Dresden ab. Richter lud zu einer Reise rund um den Globus zu eher unbekannten Steinbrüchen ein und gab einen Überblick über verschiedene Natursteine, während Senn einen Einblick in die zahlreichen Möglichkeiten der Oberflächenbearbeitung gab. Schließlich stellte Mechtcherine seine Forschungen zu 3-D-Druck-Verfahren mit Beton vor.

Wie man mit den Materialien umgehen kann, dazu gaben zwei Landschaftsarchitektinnen inspirierende Anregungen: Maren Brakebusch, Büroleitern von Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich, und Prof. Jenny B. Osuldsen, Partnerin im Architekturbüro Snøhetta, Oslo. „Die Verwendung des Materials ist eine Frage der Haltung“, erklärte Brakebusch. Dementsprechend zeichnen sich die Projekte des Büros durch eine genaue Analyse der umgebenden Landschaft und ihrer geomorphologischen Prozesse aus – was sich dann in den verwendeten Materialien widerspiegelt. Auch für Snøhetta spielen die Materialwahl und -bearbeitung eine essentielle Rolle. Nicht minder wichtig für einen gelungenen Entwurf, das wurde in dem lebendigen Vortrag von Osuldsen deutlich, ist eine gute Büro-Atmosphäre. „It’s all about people“, unterstrich sie. Es geht immer um Menschen, um die, die die öffentlichen Räume und Gebäude nutzen, und im Büro um die, die sie planen.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen von digitalen Hilfsmitteln für den Entwurf. Matthias Funk, Partner von scape Landschaftsarchitekten aus Düsseldorf und Leiter der Arbeitsgruppe BIM im bdla, berichtete aus seinen Erfahrungen mit dem für Landschaftsarchitekten noch ungewohnten Werkzeug. Auch scape sei unerwartet bei einem Projekt mit dem Thema konfrontiert worden, würde sich aber inzwischen bewusst auf BIM-Aufgaben bewerben, um weiter in das Thema vorzudringen. Denn: Wenn man weiß, was die Programme können, hilft es, komplexe Projekte in den Griff zu bekommen. Er betonte: „Alles dient dem Entwurf“. Und dementsprechend ist auch BIM nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein Werkzeug, das man sich zunutze machen sollte.

Gleiches gilt auch für Technologien zur Visualisierung, die Olaf Schroth, Professor an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, vorstellte. So kann zum Beispiel Augmented Reality dazu beitragen, Entwürfe im Rahmen einer Bürgerbeteiligung besser zu vermitteln. Ein weiteres digitales Werkzeug stellte Benedikt Kowalewski vom Lehrstuhl Prof. Girot der ETH Zürich vor: die Punktwolken. Hierbei wird das Projektgebiet mit einem Laserscanner vermessen und in –bestehende Daten eingebaut. Das so entstehende Punktmodell dient dann als Ausgangsbasis für Entwürfe. Ein Werkzeug mit Zukunft, auch in Christophe Girots Augen, der zum Abschluss der Tagung noch ein leidenschaftliches Plädoyer hielt, sich immer wieder vor Augen zu halten, was es bedeutet, Landschaft zu gestalten, und zu diskutieren, welche Rolle die Landschaftsarchitekten im Gestalten der Städte und ihrer Umgebung einnehmen können und sollen.

Exkursionen in den Park am Gleisdreieck, den Park am Nordbahnhof und die Gedenkstätte Berliner Mauer rundeten die beiden Veranstaltungstage ab, die zustande kamen mit der Unterstützung der Baumschule Lorenz von Ehren und der Runge GmbH & Co.KG.

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Geschrieben am 04.10.2018

 

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