Pflanzplanung innerhalb des Gesamtauftrags angemessen honorieren!

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Gut gedeihende Pflanzen erzeugen wesentliche Aufenthaltsqualitäten in Freiräumen. Die wechselnden Aspekte wie Duft, Farbveränderungen und Blüten berühren die Nutzer*innen und schaffen lebendige, liebenswerte Orte. Aktuell werden Pflanzen als Lösungsmöglichkeiten der Fragestellungen des Klimawandels wiederentdeckt.

Spannenderweise ist die Pflanzenverwendung einer der wenigen Planungsbereiche, von der kaum ein Hoch- oder Tiefbauingeni-eur meint, ihn selbst abdecken zu können. Der Respekt der Bauherr*innen und anderer Planer*innen gegenüber der Pflanzenverwendung zeigt, dass diese Expertise ein Alleinstellungsmerkmal unseres Berufsstandes ist. Manchmal sogar der erste Grund, überhaupt eine*n Landschaftsarchitekten*in einzubeziehen.

Komplexität der Pflanzplanung

Neben allen technischen Regeln ist für die Pflanzplanung zusätzlich ein gärtnerisches Verständnis notwendig. Wem die statische Verwendung der Pflanzen nicht ausreicht, sondern die heute gewünschte jahreszeitliche Veränderung plant, muss in der vierten Dimension denken. Neben der komplexen Gestaltung mit der Palette der Blüten- und Blattfarben, Struktur, Textur und Habitus werden weitere Themen mitberücksichtigt wie Nutzen für Tiere, Allergenvermeidung, Giftigkeit, Pflegeaufwand, Risiko, invasiv zu werden, und vor allem anderen die Standorteigenschaften.

In allen Leistungsphasen wird die Pflanzung mitgedacht, schließlich ist sie für die Gesamtgestaltung ein wesentlicher Faktor. So wird klar, dass die Pflanzplanung nicht als Spezialist*innen- oder Fachplanungsleistung verstanden werden kann, die sich auf bestimmte Bereiche oder Leistungsphasen eingrenzen ließe. Für die Tiefe und Stringenz eines Entwurfs ist es entscheidend, dass die Pflanzungen nicht isoliert geplant, sondern eingebunden werden.

Problem

Pflanzplanung – eine komplexe Herausforderung für uns gut ausgebildete Landschaftsarchitekt*innen, die angemessen honoriert wird? Das Honorar wird in der Regel auf Grundlage der berechneten Herstellungskosten ermittelt. Dahinter steht der Gedanke, dass Planungsaufwand und Baukosten zusammenhängen. Je mehr die Herstellung kostet, desto umfangreicher die Planung und desto höher auch das benötigte Honorar.

Wenn die Herstellungskosten beispielsweise von befestigten Flächen oder Ausstattungselementen denen eines Staudenbeets gegenübergestellt werden, dürfte in dieser Logik die Planung und Überwachung von Pflanzungen eine schnelle Sache sein. Da das Gegenteil der Fall ist, muss anspruchsvolle Pflanzplanung innerhalb der Gesamtaufgabe »quersubventioniert" werden.

Somit gibt es also keinen direkten wirtschaftlichen Antrieb. Eine honoraroptimierte Planung müsste die Pflanzung stark vereinfachen. Das kann schlimmstenfalls dazu führen, dass sich die Planung der Pflanzflächen einer*s Landschaftsarchitekt*in gestalterisch nicht mehr vom Repertoire eines Hochbauarchitekten oder einer Bauingenieurin unterscheidet. Wenn dann sogar der Schwerpunkt einer Planungsaufgabe in der Pflanzplanung liegt, ist der Aufwand einer ausgearbeiteten Planung für die Sätze der Honorartafeln wirtschaftlich nicht mehr vertretbar.

Zum anderen schneidet die Leistung bei interner Projektkalkulation fast immer defizitär ab. Das heißt, die zuständigen Kolleg*innen stehen unter ständigem Rechtfertigungsdruck, warum sie so lange brauchen. Dabei ist die Pflanzplanung kein Luxus, sondern notwendig.

Ausblick

Der bdla-Arbeitskreis Pflanzenverwendung hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, gute Pflanzenverwendung nicht vom Idealismus der Büros abhängig zu machen, sondern die Wertschätzung auch finanziell abzubilden. Gerade um unseren Beruf für den Nachwuchs attraktiver zu machen, sollten wir auch fair bezahlen können.


Im ersten Schritt soll festgestellt werden, inwieweit dieses Missverhältnis tatsächlich besteht und in welchem Rahmen es sich bewegt. Dazu werden Zeitansätze für die Planung unterschiedlicher Pflanzungstypen und den dazu anzusetzenden anrechenbaren Kosten ermittelt. Dabei wird die Kategorisierung der Pflanzungstypen und des damit verbundenen Planungsaufwands intensiv diskutiert.

Auf lange Sicht soll eine leicht in das bestehende System integrierbare Möglichkeit gefunden werden, die Pflanzplanung innerhalb des Gesamtauftrags angemessen zu honorieren. Eine kniffelige Fragestellung, zu der sich der Arbeitskreis über Ideen und Lösungsansätze aus dem Kolleg*innenkreis freuen würde. Die Ergebnisse sollen innerhalb des bdla vorgestellt und veröffentlicht werden.


Autorin: Laura Heuschneider, Landschaftsarchitektin bdla, Heuschneider Landschaftsarchitekten PartG mbB, Rheda-Wiedenbrück. Der Text erschien in der bdla-Verbandszeitschrift "Landschaftsarchitekten" 1/2021.

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