Berlin/Brandenburg

Berlin im Kaufrausch. bdla fordert strategische Bodenbevorratung für Grüne Infrastruktur!

Pressemitteilung des bdla Berlin/Brandenburg

Berlin befindet sich erstmals seit Jahrzehnten in der Lage, eine bevorratende Bodenpolitik zu betreiben. Doch von einem gezielten und strategischen Vorgehen fehlt jede Spur.

Cemetery

Cemetery "Eisackstraße" in Berlin-Schöneberg. Park area. Foto: Rosakoalaglitzereinhorn, Bearbeitung: bdla, Wikimedia Commons

Gekauft werde alles, was „nicht niet und nagelfest sei“, wird der Regierende Bürgermeister in der Presse zitiert. Dabei stehen nun die Chancen gut, strategisch nicht nur diejenigen Flächen anzukaufen, die zum Neubau von Wohnungen und sozialer Infrastruktur gebraucht werden, sondern auch neue Grünflächen mitzudenken.

Die wachsende Stadt braucht dringend Flächen für eine mitwachsende Grüne Infrastruktur.

Dies können Grünzüge, Uferrandstreifen, naturnahe Ausgleichs- und Ersatzflächen oder Potentialflächen für Vereins- und Breitensport sein, z.B. als Ergänzung für zu kleine Schulgrundstücke.

Ein Beispiel für ein stark vernachlässigtes Flächenpotential sind die so genannten Friedhofsüberhangflächen. Aufgrund des Trends zur Urnenbestattung werde hier immer weniger Platz benötigt. Viele Friedhöfe sollen deshalb Gewinn bringend veräußert werden, um die Kassen der Kirchen wieder aufzufüllen. Das bedeutet daher in der Regel eine Umwidmung in Bauland.

Zwar wollen die Kirchen auch soziale Projekte wie Wohnheime für Geflüchtete, Wohnen für behinderte Menschen u.ä. umsetzen, aber aus „freiraumplanerischer Sicht ist diese Entwicklung ein Debakel“, so Eike Richter, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla).

Denn die Friedhöfe bieten bereits alles, was man sich von einer urbanen Grünanlage erhofft: einen wunderbaren alten Baumbestand, Wege und Bänke. Und sie befinden sich meist in Ortsteilen mit einem großes Freiflächendefizit. Darüber hinaus bilden die Friedhöfe das kulturelle Gedächtnis Berlins und seiner Entwicklung zur Weltstadt.

Berlin will und soll kaufen, aber bitte richtig und mit strategischem Blick auf die Entwicklung der Grünen Infrastruktur.

Eike Richter, Vorsitzender bdla Berlin-Brandenburg

Nun bestünde die Chance, diese Grünflächen in kommunalen Besitz zu überführen und weiter zu qualifizieren. Vor dem Hintergrund von Klimawandel und der Lebensqualität in der Metropole könne man es sich nicht mehr leisten, gewachsene
Grünflächen und alte Bäume Baukörpern weichen zu lassen. „Berlin will und soll kaufen, aber bitte richtig und mit strategischem Blick auf die Entwicklung der Grünen Infrastruktur“, fordert Richter.

Mit dem Kauf allein ist es aber nicht getan: Zusätzlich müssten ausreichende Mittel für die Entwicklung und Pflege der angekauften Flächen bereitgestellt werden!


Bild: Cemetery "Eisackstraße" in Berlin-Schöneberg. Park area. Foto: Rosakoalaglitzereinhorn, Bearbeitung: bdla, Wikimedia Commons. Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en