Rückblick Gartenwelten 2013 - Rheinauenpark Bonn

Der Rheinauenpark ist ein besonderer Ort und es lohnt sich immer wieder durch die Auenbereiche und über den Höhenweg zu spazieren. "Etwa alle zwei Jahre komme ich nach Bonn und mache dann auch immer einen Rundgang mit Dieter Fuchs, damit wir uns über den aktuellen Zustand des Parks austauschen können", erläuterte Gottfried Hansjakob, Landschaftsarchitekt bdla und Planer des ehemaligen Bundesgartenschaugelände.

In Nordrhein-Westfalen wird, unter der Überschrift „Gartenwelten 2013 - 100 besondere Orte“, die Verbandsgründung des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) vor 100 Jahren im Rahmen von zehn Veranstaltungen an den verschiedensten Orten des Bundeslandes mit attraktiven Führungen und Vorträgen gefeiert. Mit ihnen will der Verband nicht nur Fachleute, sondern eine breitere Öffentlichkeit über das Arbeitsgebiet der Landschaftsarchitektur informieren und für qualitätsvolle Freiräume begeistern. Gemeinsam mit den planenden Landschaftsarchitekten/innen lädt die Landesgruppe nw zu Führungen durch besondere Orte in Nordrhein-Westfalen ein.

Einer dieser Besonderen Orte ist der Rheinauenpark Bonn, in dem die sechste Veranstaltung dieser Reihe stattfand. Mehr als 100 Gäste, darunter viele Mitstreiter aus der Zeit der Bundesgartenschau, aber auch viele interessierte Bürgerinnen und Bürger, waren der Einladung des bdla nw gefolgt. Nach einer Begrüßung durch Brigitte Röde, Vorsitzende bdla nw, und Dieter Fuchs, Leiter des Grünflächenamtes der Stadt Bonn, führte Gottfried Hansjakob durch den Park.

Ende der 1960er Jahre wurde Bonn zur Hauptstadt ausgebaut. Auf dem etwa 200 Hektar großen Areal der heutigen Rheinaue sollte ein repräsentatives Regierungsviertel entstehen. Um die verbliebenen Grünräume als Naherholungsgebiet zu retten, bewarb sich die Stadt Bonn um die Bundesgartenschau 1979 und realisierte den neuen Freizeitpark für rund 80 Millionen Mark (ohne Kosten Gartenschau). Ein Gestaltungsprinzip des neuen Landschaftsparks: Es wurde mit geschickter räumlicher Bepflanzung und Bodenmodellierung die Illusion von Weite und großer Distanz zur städtischen Bebauung erzeugt. Der Park gliedert sich in verschiedenen Zonen mit ineinanderfließenden Räumen: von der Uferzone des Rheins bis zu dem architektonisch gestalteten höher liegenden Eingangsbereich. Der Auensee betont die ursprüngliche Flusslandschaft entlang des Rheins. Die beiden Flussterrassen des Rheins mit der Hangkante zwischen Niederterrasse und jüngster Terrasse werden durch ein großes Erdbauwerk überhöht sichtbar und erlebbar gemacht. Diese Erdplastik aus 2,5 Millionen Kubikmetern Erde ist auf die gesamte Länge des Rheinauenparks dem bebauten Bereich als Aussichtsterrasse der Stadt vorgelagert. Als Schutz vor einer weiteren Bebauung in den Park. Dabei wurden die Verkehrsbauwerke, insbesondere die Autobahn, die quer über den Rhein und durch den Rheinauenpark gebaut wurde, geschickt in das Gelände eingebunden. Die Aussichtsterrasse ist ein beliebter Spazierweg und hat vielfältige Nutzungen wie den Rosengarten, den Blindengarten, die Kinderspielplätze, den Wasserfall, zwei Restaurants, sowie eine zur Aue hin unterschiedliche Bepflanzung.

Die Bepflanzung des Parks erfolgte im Wesentlichen in den Jahren 1974 – 1976. Der Rheinauenpark in seiner Originalität und Größe und seiner Lage am Rhein zählt zweifelsohne zu den gartenkünstlerisch bedeutendsten Parkschöpfungen des 20. Jahrhunderts. Der Park wurde in vielen Veröffentlichungen im In- und Ausland in der Literatur gewürdigt und bekannt gemacht. Man spricht vom „Central Park“ von Bonn. Der Park befindet sich heute noch in einem ausgezeichneten Pflegezustand.

Eine der letzten Stationen waren die unten am Rheinufer angelegten Aussichtsplattformen. Hier sollte sich dann auch immer wieder der Blick auf die andere Rheinseite öffnen. Auch hier wurden im Zuge der damaligen Planungen Grünstreifen am Prallufer der Rheines angelegt. Das ehemalige Betonwerk ist schon lange verschwunden und hat einem modernen Gewerbegebiet Platz gemacht.

Am Ende des Rundganges bedankte sich Brigitte Röde für die fachkundige Führung bei Gottfried Hansjakob. Der gab ganz bescheiden den Dank zurück und bedankte sich sehr herzlich beim bdla, dass sein Rheinauenpark Bonn in die Liste der 100 besonderen Orte aufgenommen worden ist.

 

 


Geschrieben am 19.07.2013

 

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