Pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang stand im Studiengang Landschaftsarchitektur am 1. Juni das Klima und dessen Auswirkungen auf unsere Gesundheit im Mittelpunkt von Vorträgen, Arbeitsgruppen und Reflektionen. Zum Tag der Landschaftsarchitektur beschäftigten sich Studierende, Fachleute und Gäste aus Planung, Verwaltung und Medizin mit Grün- und Freiräumen, ihren Einfluss auf unsere Gesundheit und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in unseren Städten.
Die Veranstaltung stand unter dem Jahresthema „Klimaanpassung und Gesundheit“ des Bundes deutscher Landschaftsarchitekt*innen (bdla), der auch diesen Tag unterstützte. Die Vorstandsmitglieder der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern nahmen vollständig außerdem weitere Mitglieder teil.
Stadtgrün als Schutz vor Hitze
Den Auftakt der kurzen Vorträge machten Jacqueline Sambale und Bianca Schuster vom Amt für Umwelt- und Klimaschutz Rostock. Anhand der Stadtklimaanalyse Rostock erläuterten sie die Bedeutung von Grün- und Freiflächen für den Hitzeschutz. Rund 60 Prozent der Stadtfläche Rostocks bestehen aus Grünflächen, dennoch gäbe es auch in der Hansestadt Belastungsräume wie die Kröpeliner Vorstadt oder das Stadtzentrum, welche u. a. durch dichte Bebauung und Versiegelung in den Sommermonaten für vulnerable Gruppen wie Kinder, Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen herausfordernd sind.
An konkreten Projekten verdeutlichten die Referentinnen, wie Entsiegelung, intelligente Regenwassernutzung und klimaangepasste Freiraumgestaltung zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Herausforderungen dabei sind sowohl in Rostock als auch in anderen Städten, dass Veränderungen überwiegend im Bestand vorgenommen werden, also nicht als optimale Lösungen auf die „grüne Wiese“ gesetzt werden können, und das begrenzte Budget insbesondere für die notwendige Grünflächenpflege.
Neubrandenburg zwischen Klimawandel und Lebensqualität
Julia Manthe, verantwortlich für die Stadtentwicklung der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, stellte anschließend aktuelle Maßnahmen und Pläne zur Klimaanpassung vor. Zu den vielen unterschiedlichen Themen gehören die Entschlammung eines Feuerlöschteichs, die hohe Kosten verursacht. Des Weiteren ging es u. a. um vermeintlich kleinere Projekte wie die Neuplanung der Erschließung des Neuen Friedhofs nach dem Bau der Umgehungsstraße, die Einrichtung von Wasserflaschen-Refill-Stationen in öffentlichen Einrichtungen der Innenstadt sowie Verschattungskonzepte für den Marktplatz. Darüber hinaus gab sie Einblicke in die Solarpotenzialanalyse der Stadt sowie geplante Entwicklungen im Rathausumfeld und am Bahnhofsvorplatz. Wichtige Erkenntnisse waren, dass die Aufgaben zur Klimaanpassung für die Stadtentwicklung vielfältig sind, dass sie stark vom Budget abhängig sind und alle Flächen nachhaltig bewirtschaftet werden müssen. Für Neubrandenburg sind dies Herausforderungen, allerdings wurde deutlich, dass die Stadtentwicklung sich sehr engagiert für die Aufgaben im Sinne der Bürger*innen einsetzt.
Gesundheitliche Folgen des Klimawandels im Fokus
Dr. Thomas Jenning, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg, beleuchtete die Auswirkungen steigender Temperaturen auf das Gesundheitswesen. Er verwies auf die hohen Zahlen hitzebedingter Todesfälle in Deutschland in den vergangenen Jahren, die bereits jetzt höher sind als die Zahl der Unfalltoten. Daher steht der Hitzeschutz, zum Beispiel über die jährlichen Hitzeaktionstage im Juni, auch im Fokus der Ärztekammern. Das Gesundheitsministerium macht u.a. über Handreichungen, Fachkonferenzen und Musterhitzeschutzpläne auf den gesundheitlichen Hitzeschutz aufmerksam. Er selbst hat an den Empfehlungen zum Hitzeschutz in Krankenhäusern unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels für Krankenhäuser in M-V des LAGuS mitgearbeitet.
Von großer Bedeutung sind neue Herausforderungen durch klimabedingt auftretende Krankheitserreger wie beispielsweise das West-Nil-Virus. Der Vortrag zeigte deutlich, wie wichtig und auch herausfordernd Hitzeschutzmaßnahmen besonders in medizinischen Einrichtungen sind, wo Keimfreiheit besonders wichtig ist und neben der Temperatur auch weitere Klimaparameter wie die Luftfeuchte, die Luftwechselrate und die Luftströmung von Bedeutung sind.
Die Reduzierung der Temperaturbelastung im Innen- und Außenraum ist notwendig, dafür eignen sich Maßnahmen der Landschaftsarchitektur. Allerdings könnten diese auch zu gesundheitlichen Problemen führen, wenn sich zum Beispiel Brutstätten für krankheitsübertragende Insekten in zur Kühlung angelegten Wasserflächen entwickeln. Lösungen müssen immer individuell geprüft werden, um negative Folgen zu vermeiden. Eine Kooperation von Landschaftsarchitekt*innen und Mediziner*innen ist sehr angemessen.
Maggies Centres
Den letzten Vortrag hielt Vincent Wanitschke, Student der Landschaftsarchitektur im vierten Semester, über die Maggies Centres in England. Erfunden und entwickelt wurden die Einrichtungen von Maggie Keswick und ihrem Mann Charles Jencks während Maggies Krebserkrankung in den 1990er Jahren. Heute bieten die inzwischen über 30 Einrichtungen mit interessanter Architektur in Verbindung mit hochwertig gestalteten und gepflegten Außenräumen vielfältige Unterstützung für an Krebs erkrankte Menschen. Die besondere Verbindung von medizinischer Hilfe und Architektur sowie Landschaftsarchitektur fördert die Lebensqualität der Patient*innen, sie sind nachahmenswerte Beispiele gesundheitsförderlicher Gestaltung.
Austausch in Workshops
Nach den Impulsvorträgen arbeiteten Teilnehmende und Referent*innen vertieft in Workshops an Fragestellungen der Vortragsthemen und darüber hinaus zur Klimaanpassung und Gesundheit. Die Ergebnisse wurden anschließend vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Ein zentrales Thema zog sich dabei durch den gesamten Tag: Grün- und Freiräume sind nicht nur Gestaltungselemente – sie leisten einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit in unseren Städten, sie sind jedoch aus Sicht der Gesundheit auch sehr genau auf die Menschen, ihren Aufenthalt im Freien und deren spezielle Bedarfe abzustimmen.
Fazit
Die Idee für den Thementag in Verbindung mit dem bdla hat ein gegenseitiges Kennenlernen über aktuelle Themenstellungen ermöglicht. Professorin Mertens hat die Gelegenheit wie in Vorjahren genutzt, dass die Studierenden des vierten Semesters neben den fachlichen Themen auch lernen, eine Tagung zu organisieren. Obwohl das Thema und die Gäste ausgesucht waren, mussten die Studierenden die Moderation übernehmen, die Gäste im Hörsaal einführen und die Diskussionen sowie die Arbeitsgruppensitzungen leiten. Auch die Einladungen per E-Mail und Poster vorab sowie die Dekoration, das Catering und nicht zuletzt das Aufräumen mussten erledigt werden. Auch fachlich wurde der Tag seit Beginn des Semesters vorbereitet, u. a. mit Beiträgen der Zeitschrift des Verbandes zum Jahresthema und weiterer Fachliteratur. Während der Veranstaltung gab es die Besonderheit, dass die Studierenden, vor allem in den Diskussionen der Arbeitsgruppen, in den direkten intensiven Austausch mit den Gästen kamen. Diese Nähe und die Möglichkeit, auch Fragen stellen zu können, die in größerer Runde eher nicht gestellt würden, bereicherten die Erkenntnisse des Tages. Es ist gelungen, das ernste Thema in lockerer Atmosphäre zu besprechen, Distanzen zu den professionell arbeitenden Fachleuten abzubauen und sich gegenseitig kennenzulernen. Der Tag wurde schließlich mit Grillen im Garten und guten Gesprächen sowie dem Verteilen der Warnwesten mit Aufdruck des bdla für die Mitglieder beendet. Allen Gästen und Beteiligten sei herzlich gedankt, dass der Tag so erfolgreich verlaufen konnte.
Martin Fröse, Elke Mertens
- Latitude: 0
- Longitude: 0