Schleswig-Holstein

© Daniel Tams

Bericht vom SOMMERFEST DER NORDLICHTER: Im Spannungsfeld zwischen Klimaanpassung und Gesundheit - Landschaftswandel durch die Nutzung erneuerbarer Energien

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Am Freitag, den 8. Mai fand das Sommerfest der Nordlichter im Rahmen einer Bustour durch Nordfriesland im Bereich Husum statt. Zwanzig Teilnehmer:innen der nördlichen bdla-Bundesländer, also der Landesverbände Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen & Bremen und Schleswig-Holstein, waren an Bord.

© Bernd Groth

© Bernd Groth

Unser bdla-Nordlicht Michael Mäurer hat ein spannendes Programm ausgearbeitet und uns quasi als einheimisches Urgestein durch seine besten Kontakte interessante Einblicke ermöglicht. Mit viel Hintergrundwissen hat er bei unseren Stationen und auch während der Fahrt unsere Veranstaltung moderiert. Die verschiedensten örtlichen Akteure – Biologen, Bürgermeister und Naturschützer - haben so für uns ihre Türen geöffnet, von Ihren Tätigkeiten im Spannungsfeld Windenergie, erneuerbare Energien, Tourismus, Gesundheit und Naturschutz berichtet und sich offen und kritisch mit uns auseinandergesetzt.

Start:

BioConsult SH - Geschäftsführer Dr. Thilo Liesenjohann berichtete von der Unternehmens- und Aufgabenentwicklung seit den 1990er Jahren im Bereich der ökologischen Forschung und dem Consulting. Anhand konkreter Video-Beispiele wurden aktuelle Methoden zur Risikobewertung von Windenergieanlagen aus Bestandsdaten vorgestellt. Spannend war die Kollisionsrisiken-Analyse und hochinteressante Technik zur Kollisionsvermeidung in Bezug auf Vogelschlag. Hier werden die traditionelle Biotop-Kartierung in Kombination mit High-Tech-Geräten aus der Rüstungs-Industrie bis zum Einsatz von KI zur Live-Früherkennung von Vogelarten eingesetzt, um z. B. zu entscheiden, ob und wie „Windmühlen“ (wie sie hier alle sagen) auszurichten oder abzuschalten sind.
In Zusammenarbeit mit Landwirten – freiwillig und erfolgreich bei sich widersprechenden Interessen - werden langjährige Monitorprogramme gemacht, um daraus ein Flächenmanagement zu entwickeln, das die Gefahren von Vogelschlag minimiert bei gleichzeitiger Ertrags-Maximierung der Windräder.
Nebenbei bekamen wir Einblicke in die satellitengestützte Zählung von Walen und die Früherkennung von Sandstürmen in Ägypten.
Schlusswort: „Man kriegt mit, was die Ornis sonst noch so machen.“ 

Weiterfahrt durch die Marschlandschaft:
Im Anschluss ging es mit dem Bus durch die Landschaft mit zahlreichen Windenergieanlagen in die Gemeinde Reußenköge, eine durch Eindeichung entstandene Marschlandschaft. Nebenbei haben wir „Kuddel Wind“ passiert, das 1. Windrad der Region, das durch dem Windkraft-Pionier Karl-Heinz Hansen 1983 mit 55 kW Nennleistung gebaut wurde. Zum Vergleich: Heute gebaute Windräder haben mit 3,5 bis 7 mW eine etwa 100fache Leistung.
Es gibt einen Bürgerwindpakr mit 90 Windenergieanlagen.


Am Ort des Geschehens 1: Windpark Reußenköge

In der „Koogshalle“ der Gemeinde Reußenköge, der „Modellgemeinde mit Pioniergeist“, empfing uns Bürgermeister Dirk Albrecht (auch Geschäftsführer des Bürgerwindparks Reußenköge), der die Gemeinde in Stichworten vorstellte:
-    Ca. 45 km2, davon 10 km2 „Natur“, Rest Landwirtschaft. 
-    Ca. 90 Windräder der 3. Generation, 340 Einwohner, 
-     knapp 8 Einwohner/km2 und 4 Einwohner/Windrad
-     1.000.000.000 kW / Jahr Ertrag 

Herr Albrecht berichtete von der weitgehenden Einvernehmlichkeit der Bewohner in Zusammenhang mit den Windkraftanlagen, was sicherlich auch in Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Vorteilen zusammenhängt. Anders als Mangelverwalter können hier die Politiker Visionen verwirklichen.
Anhand von Beispielen wurden rechtliche Regelungen, deren Hürden und deren Zusammenhänge mit der „Großen Politik“ dargestellt. Auch die wichtige und gute Zusammenarbeit der örtlichen Politik mit der Landwirtschaft sowie den Biologen (siehe unsere 1. Station) wurde gewürdigt. „Wir sind gemeinsam groß geworden.“
Ausdrücklich unabhängig von Partei-Sympathien wurde die aktuelle Energie-Politik kritisch betrachtet. 
Bei Kaffee und Kuchen nahmen wir folgende Zitate mit auf den weiteren Weg:
„Der Wind – der ist ja schrecklich!“, sagen hier nur die Zugereisten.
„Im Schlagschatten konntest du rammdösig werden.“ 
„Jedes Auto ist lauter.“
„Kein Neid und Hass hat uns geholfen.“ 
Fazit: Der „Das ist so!“-Prozess, in dem man lernt wird hier gemacht.

 

Am Ort des Geschehens 2: Naturschutzgebiet Gotteskoogsee

BUND Nordfriesland - Vertreter Carl-Heinz Christiansen aus dem Arbeitskreis Energiewende und zuständig für Stellungnahmen zur Windenergie-Entwicklung empfing uns im Naturschutzgebiet Gotteskoogsee, dem ehemaligen LSG „Wiedingharde- und Gotteskoog“, einer großteils unzugänglichen, ebenfalls durch Eindeichung entstandene Landschaft, die gleichermaßen Vogelschutz-, FFH-Gebiet sowie Biotopverbundsystem ist.
Herr Christiansen schilderte uns die Geschichte und Entwicklung der Landschaft von der ersten Mandränke, der großen Flut 1362, bis heute, und warf dabei einen kritischen Blick auf die Zukunft hinsichtlich der Windenergie-Entwicklung. Für den BUND Nordfriesland gibt es keine Alternative zu einer naturverträglichen Energiewende. 
Das ehemalige LSG „Wiedingharde- und Gotteskoog“ als eines der letzten großflächig windenergieanlagenfreies Gebiet in der weiten Marschlandschaft ist aktuell bezüglich des Landschaftsbildes gefährdet, den ursprünglichen Charakter zu verlieren. Die fachlichen Erläuterungen konnten wir mit unserem Blick vom „Richie-Hügel“ (nach Richhard von Weizäcker) eindrucksvoll selbst erleben, von dessen Bedeutung für die Rast- und Zugvögel ganz zu schweigen.
Aber an diesem Ort gibt es besonders starke Zielkonflikte mit Klimaschutz und Energiewende sowie Naturschutz und Kulturlandschaft.
Der BUND hofft, dass hier kein negativer Präzedenzfall entsteht.

 

Am Ort des Geschehens 3: Gemeinde Bosbüll

Bürgermeister Ingo Böhm berichtete sehr persönlich und offen über die Energiewende in der Gemeinde Bosbüll mit ihren 270 Einwohnern, die zunächst als sehr mühselige Überzeugungsarbeit mit Klinkenputzen von Haus zu Haus begann, aber dann in dem Erfolg mündete, in wenigen Jahren vom „Armenhaus“ Schleswig-Holsteins zum finanzstärksten Kreis zu werden. Dies bedurfte eines langen Atems bei einer langen Planungszeit von 17 Jahren, die hier für Projekte gebraucht wurden. Aktuell sind ein 3-Dörfer-Windpark (Bosbüll-Holm-Uphusen) und 65 ha Solarparks in Planung.
Um voran zu kommen, hieß es manchmal: „Das ist jetzt so!“
Die Gemeinde verfolgt ein gesamtheitliches Konzept als „Optinetz“, ein Förderprojekt mit dem Ziel der Optimierung des Gesamtsystems, das vom Fraunhofer-Institut begleitet wird und Wind- und Solarenergie, Biogas und Wasserelektrolyse bis hin zu Wasserstoff-Mobilität und Fernwärme einbezieht.
Die Ortspolitiker wissen, dass sie nicht die Welt retten können. Die aktuelle Energiepolitik wird auch hier als Rückschritt betrachtet.
Abschließend sprach Bürgermeister Böhm ausdrücklich eine Einladung zur persönlichen Führung an Interessierte aus. Herzlichen Dank! 

 

   

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Abschließend

Zur Abrundung unserer hochinteressanten Exkursion trafen wir uns am Abend in „Husums Brauhaus“ und setzten dort zunächst unsere anregenden Fachgespräche fort. Im Kreis von sehr netten Kolleginnen und Kollegen rundete dann – wie immer! - der nette und persönliche Austausch unser Sommerfest der Nordlichter ab.

 

Bericht vom 'Nordlicht' Bernd Groth

 

 

 

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