Professor em. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Haber, oft auch als „Vater der Landschaftsökologie in Deutschland“ bezeichnet, verstarb am 13. August 2026 kurz vor Vollendung seines 101. Lebensjahres. Mehr als ein halbes Jahrhundert hatte Wolfgang Haber in Deutschland den Natur- und Umweltschutz wissenschaftlich begleitet und international mitgeprägt, war an der Gründung der Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden sowie an der Begründung der Biotopkartierung beteiligt.
Wolfgang Haber, am 13. September 1925 in Datteln (Westfalen) geboren, studierte Botanik, Zoologie, Chemie und Geographie an den Universitäten Münster, München, Basel, Stuttgart und Hohenheim. Nach seiner Promotion über Bodenatmung an der Universität Münster begann er an gleicher Stelle 1957 als wissenschaftlicher Assistent, ab 1962 als Kustos am Westfälischen Museum für Naturkunde zu Münster. 1966 wurde er Professor und Lehrstuhlinhaber für Landschaftsökologie an der Technischen Universität München in Freising-Weihenstephan und brachte bis dato vernachlässigte naturwissenschaftlich-ökologische Inhalte in den damaligen Studiengang Landespflege ein. 1976 wurde das erste Bundesnaturschutzgesetz verabschiedet, in dem sowohl Landschaftsplanung als auch Eingriffsregelung als gegenüber dem bisherigen Schutzgebietsdenken flächendeckende Ansätze des Naturschutzes erstmals bundesweit normiert wurden.
Mit seiner Lehr- und Forschungstätigkeit leistete Prof. Haber wesentliche Pionierarbeiten zu ökologischen Grundlagen des Naturschutzes, der Landes- und Landschaftspflege sowie der Landschaftsplanung. „Seine Form des beharrlichen Wirkens war unaufgeregt und bescheiden, aber dennoch von Erfolg gekrönt und damit letztlich nachhaltig,“ beschrieb ihn die ehemalige Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz und Haber-Studentin Prof. Dr. Beate Jessel. Er selbst sagte von sich: „Ich bin kein Mensch, der Gegensätze und Feindbilder vertritt, auch wenn ich klare Meinungen äußere, sondern bemühe mich um Überbrückungen und Partnerschaften.“ – Brückenbauer war er: zwischen Naturschutz und Landwirtschaft oder auch zwischen Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie, gegen deren Trennung sich Prof. Haber immer verwehrte.
Seine exzeptionelle fachliche Kompetenz und seine wissenschaftliche Expertise wurden auch von der Politik gesucht und geschätzt, bspw. ab 1981 als Mitglied im Rat von Sachverständigen für Umweltfragen der Bundesregierung, dessen Sprecher er von 1985 bis 1990 war. Von 1990 bis 1996 war er zudem Präsident der International Association of Ecology (Intecol), des Dachverbandes der nationalen Fachverbände der Wissenschaft Ökologie.
Wolfgang Haber hat an der TU München im Rahmen des damals neuen Studiengangs Landespflege (heute: Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung) das Studium der Landschaftsökologie aufgebaut und mit seiner richtungsweisenden Forschung und seiner begeisternden Art zu Lehren, ganze Generationen von Landschaftsplaner:innen, Landschaftsarchitekt:innen und Naturschützer:innen geprägt.
Seine herausragenden Leistungen wurden mehrfach mit hochrangigen Auszeichnungen gewürdigt. Der bdla verlieh ihm 2008 die Ehrenmitgliedschaft im Verband, was der Geehrte als „markante Auszeichnung“ empfand „für meine Bemühungen, beim Umgang mit Landschaft nicht zwischen Wissenschaft und Gestaltung zu trennen. Landschaft, so interessant und wichtig sie wissenschaftlich ist, beruht auf schöpferischem menschlichem Werk.“
„Mit Weitblick, Integrität und unermüdlichem Einsatz setzte sich Prof. Haber für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung unserer Umwelt ein. Er war Vordenker, Mahner und Brückenbauer zwischen den Disziplinen“, würdigte Prof. em. Ingrid Kögel-Knabner, Professorin für Bodenkunde an der TUM, Prof. Dr. Wolfang Haber anlässlich seines 100. Geburtstages in der Festschrift „Nachhaltig hoffen angesichts unbequemer Wahrheiten“ (2025).
Die Profession verliert einen Vordenker der Landschaftsökologie und des Naturschutzes in Deutschland, einen herausragenden Wissenschaftler und wunderbaren Menschen.
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