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Pflanzenvielfalt statt Ausschlusslisten

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Position des bdla zu allergenbezogener Pflanzenverwendung im Stadtgrün. 

Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen städtischer Begrünung grundlegend. Mildere Winter, längere Vegetationsperioden und erhöhte CO₂-Konzentrationen führen dazu, dass Pflanzen früher und länger blühen und teils mehr Pollen produzieren. Für Allergiker:innen bedeutet das eine spürbare Zunahme der Belastung. Es ist nachvollziehbar, dass Kommunen darauf reagieren wollen, und das Thema allergiefreundliche Stadtgestaltung gewinnt entsprechend an fachlichem Gewicht.

Der bdla teilt das Anliegen, das Wohlbefinden aller Stadtbewohner:innen ernst zu nehmen. Was sich jedoch zunehmend beobachten lässt, gibt Anlass zur Sorge: Aus dem Wunsch nach allergiearmen Städten wird vielerorts ein pauschaler Rückzug aus der Pflanzenvielfalt. Kommunale Pflanzlisten werden gekürzt, ganze Arten gestrichen ohne ausreichende fachlich fundierte Begründung. Der bdla hält dagegen – nicht, weil Allergiebelastung kein reales Problem ist, sondern weil Ausschlusslisten keine Lösung sind.

Mehr vielfältiges Grün ist gesundheitsfördernd pflanzen. © Christoph Reichelt

Allergierisiko ist keine Eigenschaft einer Art, sondern eines Kontexts
Das allergene Potenzial einer Pflanze hängt nicht allein von der Art ab, sondern maßgeblich von Standortbedingungen und Vitalität. Wasserversorgung, Hitzestress, Luftschadstoffbelastung, Pflegezustand und Alter beeinflussen, wie viel und wie aggressiv eine Pflanze Pollen produziert. Gestresste Pflanzen können ein erhöhtes allergenes Potenzial entwickeln, unabhängig von ihrer Artenzugehörigkeit. Pauschale Artenstreichungen ignorieren diese Komplexität und suggerieren Sicherheit, die fachlich nicht gedeckt ist. Hinzu kommt, dass Pollen hochmobil sind. Sie machen vor Stadtgrenzen nicht halt, und lokale Pflanzverbote können ihre Verbreitung nicht verhindern. 

Monostrukturen schwächen Resilienz und erhöhen das Risiko
Eine artenarme Stadtbegrünung erzeugt ökologisch instabile Monostrukturen, die anfälliger gegenüber Schädlingen, Krankheiten und klimatischen Extremereignissen sind. Synchron blühende Großbestände erzeugen zudem lokale Pollenkonzentrationsspitzen, die gemischte Pflanzungen nicht erzeugen. Klimaangepasstes Stadtgrün braucht Vielfalt in Arten, Altersklassen und Lebensformen, damit Blühzeiten zeitlich entzerrt, Pollenlasten räumlich verteilt und Ausfallrisiken minimiert werden.

Biodiversität ist Gesundheitsinfrastruktur
Neuere Forschung aus der Umwelt- und Mikrobiomforschung erweitert das Bild entscheidend: Der Kontakt mit vielfältigen natürlichen Umgebungen beeinflusst das menschliche Immunsystem positiv. Studien zeigen, dass biologische Vielfalt in der unmittelbaren Lebensumwelt die mikrobielle Vielfalt im menschlichen Körper fördert, was als wichtiger Schutzfaktor gegenüber Allergien und Autoimmunerkrankungen gilt. Diese Zusammenhänge sind inzwischen so gut belegt, dass von einer Biodiversitätshypothese gesprochen wird. Der Rückgang natürlicher Vielfalt in Städten spiegelt sich in einer Verarmung des menschlichen Mikrobioms wider. Eine Untersuchung in finnischen Kindertagesstätten illustriert dies anschaulich. Kinder, die regelmäßig in naturnah gestalteten Außenräumen spielten, entwickelten innerhalb kurzer Zeit vielfältigere Mikrobiome und messbar verbesserte Immunmarker. Der Verlust von Pflanzenvielfalt ist damit nicht nur eine ökologische, sondern zunehmend auch eine Gesundheitsfrage.

Mehr Grün bedeutet weniger Gesamtbelastung
Wissenschaftliche Evidenz zeigt eindeutig, dass vielfältige urbane Vegetation Hitzestress und Umgebungstemperaturen reduziert, Feinstaub und Luftschadstoffe bindet, das Mikroklima verbessert und indirekt regulierend auf entzündliche und allergische Prozesse wirkt. Stadtgrün schützt in der Summe weit stärker, als es durch Pollen belastet. Wer Begrünung aus Allergieschutzgründen zurückbaut, verschlechtert die gesundheitliche Gesamtsituation der Stadtbevölkerung.

Allergiegerechte Planung erfordert Sachkompetenz und qualitätvolle Pflanzlisten
Eine fachgerechte Berücksichtigung von Allergieaspekten in der Grünplanung ist möglich und notwendig. Sie erfolgt jedoch nicht durch das Herausstreichen ganzer Arten, sondern durch durchdachte Pflanzkonzepte und Pflanzenverwendung: standortgerechte Artenmischungen, bevorzugte Verwendung insektenbestäubter Sorten und qualifiziertes Vegetationsmanagement. Diese differenzierte Herangehensweise ist Aufgabe von Fachleuten aus Planung und Ausführung und genau dafür brauchen sie breite, qualitätsvolle Pflanzlisten.

Fazit
Pauschale Pflanzverbote lösen keine Allergieprobleme. Sie verkennen, dass Allergierisiko kontextabhängig ist, dass Monostrukturen Pollenlasten konzentrieren statt verteilen, und dass biologische Vielfalt das menschliche Immunsystem stärkt und zugleich schützt. Stadtgrün ist keine Belastung, die es zu minimieren gilt, sondern eine Gesundheitsinfrastruktur, die es standortgerecht zu planen und zu pflegen gilt. 
Der bdla empfiehlt:
-    auf pauschale Ausschlusslisten zu verzichten und kommunale Pflanzlisten fachkundig zu entwickeln und fortzuschreiben;
-    Biodiversität im Stadtgrün aktiv zu erhalten, zu fördern und auszubauen;
-    standortgerechte Pflanzenverwendung und qualifiziertes Vegetationsmanagement sicherzustellen sowie
-    Stadtplanung, Gesundheitsvorsorge und Klimaanpassung ressortübergreifend zu verzahnen.

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