Niedersachsen+Bremen

Gewerbeentwicklung "auf der grünen Wiese" in Bremen

Flächenverbrauch stoppen - Für eine nachhaltige Gewerbeentwicklung auf weniger Fläche

Derzeit wird ein neues Gewerbeentwicklungsprogramm in Bremen aufgestellt. Nach den Vorstellungen des federführenden Wirtschaftsressorts werden dabei auch weitere neue Gewerbeflächen diskutiert - zum Beispiel im Blockland, in der Ochtumniederung südlich des Flughafens, im Naturschutzgebiet Neustädter Hochwasserpolder und auch in Kleingartengebieten etwa durch die Erweiterung des Gewerbegebietes Bayernstraße. Eine breite Allianz von Fachverbänden, der sich u.a. auch der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V., Architects for Future Bremen e.V. und der Unternehmensverband Garten -, Landschafts- und Sportplatzbau angeschlossen haben, lehnt die Entwicklung neuer Gewerbegebiete „auf der grünen Wiese“ kategorisch ab.

Ulf Jacob, Bündnis Grünes Bremen

Ulf Jacob, Bündnis Grünes Bremen

Der ständig steigende Landschaftsverbrauch zerstört fruchtbare Böden und schädigt Natur und Umwelt massiv. „Ein sparsamer Umgang mit der begrenzten Fläche wie auch die Sicherung von Natur- und Freiräumen müssen in Zeiten des Klimawandels und des dramatischen Artensterbens absolute Priorität haben,“ betont Ulf Jacob, Sprecher des Bündnisses lebenswerte Stadt.

Das Bündnis fordert, den bisherigen expansiven Flächenverbrauch zu beenden und bis spätestens 2030 auf „netto null“ zu senken. Das Gewerbeentwicklungsprogramm (GEP 2030) muss deshalb Strategien für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Bremen ohne weiteren Flächenverbrauch entwickeln und dafür verbindliche Meilensteine festlegen. Dringend erforderlich ist ein grundlegender Wandel der bremischen Flächenpolitik hin zu einer echten Flächen-Kreislaufwirtschaft. Dazu gehört auch eine Reform der Aufgaben und der Finanzierungslogik der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Das bisherige Kerngeschäft der WFB, Gewerbegebiete mit hohen Kosten zu entwickeln und dann unter Wert zu verkaufen, ist nicht zukunftsfähig und muss den Zielen einer hohen Flächeneffizienz angepasst werden. Die Finanzierung bzw. der Erfolg der WFB darf nicht länger von der Menge der verkauften Gewerbeflächen abhängen.

In Bremen beträgt der jährliche Flächenverbrauch derzeit rund 35 Hektar (das entspricht der Größe von 50 Fußballfeldern). Allein in den letzten 20 Jahren sind in Bremen über 2125 Hektar Freifläche durch Gewerbe- und Industrieanlagen verloren gegangen (entsperchend 2976 Fußballfelder). Aktuell sind bereits rund 60% der Fläche Bremens Verkehrs- und Siedlungsflächen. Mit 348 qm pro Einwohner weist Bremen im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten den höchsten Anteil an bebauter Siedlungs- und Verkehrsfläche pro Kopf auf.

Unverbauter Boden ist neben den Ozeanen der größte Kohlenstoffspeicher der Erde und daher von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz. Die Sicherung von Grünräumen, Stadtnatur und Kleingartengebieten sind für die Lebens- und Umweltqualität in der Stadt unverzichtbar. Sie sorgen für frische Luft, bieten Abkühlung bei sommerlicher Hitze und speichern wertvolles Regenwasser in der Stadt. Für Tiere und Pflanzen sind sie Lebensräume und tragen zum Erhalt urbaner Artenvielfalt bei. Gerade in der Corona-Pandemie wird deutlich, wie wichtig soziale Funktionen von Grün- und Freiflächen sind. Als wohnortnahe Aufenthaltsräume wirken sie positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit und dienen der derzeit besonders wichtigen Erholung, Bewegung und Umwelterfahrung.

Das Bremer Bündnis lebenswerte Stadt fordert

den bisherigen expansiven Flächenverbrauch in Bremen zu beenden und bis spätestens 2030 auf „netto null“ zu senken,
die Siedlungsgrenze des Flächennutzungsplans beim GEP 2030 einzuhalten und Strategien für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Bremen ohne weiteren Flächenverbrauch zu entwickeln,
die Dynamik der Innenentwicklung zu erhöhen und die Flächeneffizienz zu steigern,
die ökologischen Leistungen der Grünflächen, landschaftlicher Freiräume und Kleingartengebiete zu schützen und zu stärken,
die Ausnahmen des Begrünungsortsgesetzes zu streichen und die Regeln (Verpflichtung zu Begrünung) auch auf Gewerbegebäude anzuwenden,
die Kooperation mit den Umlandkommunen mit dem Ziel zu stärken, gemeinsam mit Niedersachsen an der Erreichung des Netto-Null-Ziels zu arbeiten,
eine systematische Bestandsaufnahme von Flächennutzungspotentialen in den Gewerbe- und Mischgebieten sowie ein regelmäßiges Monitoring der recycle-baren Gewerbeflächen durchzuführen,
Flächen nur bei gleichzeitiger Entsiegelung mindestens gleich großer Flächen an anderer Stelle neu zu bebauen.
Mehr zum Thema und das Positionspapier zum Download unter www.gruenes-bremen.de