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Gute Unterhaltung: Für eine nachhaltige Pflege von Freiräumen

"Blaues Band" im Hofgarten Düseldorf, Foto: Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt Düsseldorf

Egal, was die Ursachen sind, ob übernutzt, vermüllt oder verwahrlost – Freiräume, die ungepflegt sind, wirken mehrfach negativ: Sie geben durch ihren Zustand direkt Auskunft über ihre Wertschätzung und Wichtigkeit im Stadtgefüge.

Meist nach der einfachen Formel: Je wohlhabender die Bewohner oder je repräsentativer bzw. näher an Stadtzentrum/Regierungssitz, desto besser in Schuss. Ist dies mit gleichwertigen Lebensbedingungen und Umweltgerechtigkeit vereinbar?
Mangelnde Pflege und Unterhaltung vermindern ganz direkt die bauliche und pflanzliche Substanz von Freiräumen. Abnutzungs- und Alterungsprozesse, denen nicht entgegengearbeitet wird, bewirken eine gravierende Minderung von Wert und damit den Verlust von gut bezif-ferbaren, i. d. R. öffentlichen Investitionen. Die vernachlässigten Freiräume verlieren meist erheblich an ästhetischer, sozialer und ökologischer Qualität und Funktion.

Trotzdem werden die Städte bei den anfallenden Investitionskosten für Bau und Planung von Freiräumen weiterhin großzügig durch staatliche Förderung unterstützt. Nach aktuellem Stand waren die entsprechenden Förderprogramme und deren Anzahl noch nie so hoch. In der Pressemitteilung des BMI vom Juli 2018 wird Minister Horst Seehofer zitiert: »Unser gemeinsames Ziel ist es, dass sich jeder in seiner Stadt oder seiner Gemeinde heimisch fühlt, gern in seiner Nachbarschaft wohnt. Der Bund unterstützt die Länder und Kommunen in diesem Jahr mit Bundesfinanzhilfen von fast 1 Milliarde Euro. Wir führen die erfolgreichen Programme der Städtebauförderung auf Rekordniveau fort.«

Gut daran ablesbar ist die Entscheidung auf politischer Ebene, in lebenswerte Städte mit der Schaffung qualitätvoller öffentlicher Freiräume sehr viel Geld zu investieren. Erstaunlich ist dabei, dass deren nachhaltiger Unterhalt nicht Teil dieser Zielsetzung ist. Oft beginnt sofort nach Fertigstellung die Wertvernichtung durch unzureichende Pflege – das kann kaum zu Ende gedacht sein. . .

Es scheint in der Praxis offenbar schwierig, den Zusammenhang zwischen Kosten und Nutzen von Pflege zu vermitteln. Bei harter, grauer Infrastruktur leuchtet es unmittelbar ein – bei der grünen scheinbar nicht. Die wächst ja von selbst?

Der Arbeitskreis Städtebau und Freiraumplanung hat 2018 verschiedene Experten eingeladen, um Strategien und Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen, Fragen zu stellen und zu diskutieren. Was kann man tun gegen den Verlust von Werten und Investitionen durch mangelhaften Unterhalt? Welche Strategien für effektive Pflege bei zu knappem Budget gibt es? Ist die Bemessung der Pflegekosten abgestuft nach einem Schlüssel richtig? Kann ein Handbuch zu guter Pflege helfen, wie es die Berliner Senatsverwaltung vor kurzem erarbeitet hat? Braucht man noch ein Gartenbaureferat wie in München, das mit seinen Meistern und Auszubildenden einen Großteil der Pflege selbst übernimmt? Und – wie viel von diesem Dilemma müssen wir Landschaftsarchitekten schon beim Entwurf berücksichtigen? Werden solche Themen auch in Lehre und Forschung an den Hochschulen und Universitäten bearbeitet?

Eine umfassende Lösung für das Problem haben wir nicht gefunden. Aber verschiedene Ansätze für gute Argumente, messbare Kriterien und hilfreiche Grundlagen sind in diesem Heft »Gute Unterhaltung« nachzulesen. Die Ansätze können natürlich nicht direkt übertragen werden, sondern sind vor dem jeweiligen Kontext zu prüfen. Trotzdem hoffen wir, dass die eine oder andere Idee in der Praxis weiterhilft.


Autorin: Prof. Ulrike Böhm, Landschaftsarchitektin bdla, bbzl boehm benfer zahiri, Berlin, bdla-Fachsprecherin Städtebau und Freiraumplanung. Der Text erschien in der bdla-Verbandszeitschrift "Landschaftsarchitekten" 2/2019.

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