Landesverband Bayern

Nachwuchspreis bdla Bayern

Foto: Swantje Duthweiler

Nachwuchspreis Bayern 2019

Ausgezeichnete Bachelor- und Masterarbeiten

 

Blau-grüne Infrastrukturen: Transformationsstudien urbaner Freiräume am Beispiel von Frankfurt

Verfasserin: Lotta Steger
Bachelorthesis (Professur Green Technologies in Landscape Architecture)
Betreuer: Prof. Dr. Ing. Ferdinand Ludwig; M. Sc. Friederike Well
Technische Universität München

© Lotta Steger  

Abstract

In Anbetracht der fortschreitenden Urbanisierung und der klimatisch unangepassten, konventionellen Siedlungsstrukturen müssen nachhaltige Transformationsstrategien für die städtische Infrastruktur entwickelt werden. Die Konsequenzen des Klimawandels insbesondere für urbane Räume setzen Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten unter Zugzwang, da eine Besserung der Lage ohne proaktives Handeln nicht in Sicht ist.
Die vorliegende Bachelorarbeit erarbeitet anhand blau-grüner Infrastrukturen integrative Konzept- und Handlungsansätze für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Durch eine ganzheitliche Denkweise werden Wasserbedarfs- und Wasserentsorgungsaspekte mit klimatischen und ökologischen Gesichtspunkten verknüpft und tragen somit nicht nur zur Lösung der zunehmenden Herausforderungen wie Feinstaubbelastung, städtische Wärmeinseln oder Überschwemmungen bei, sondern verbessern auch die Lebensqualität und Klimabilanz der Städte. Durch eine Übertragung auf den Raum werden zudem planerische Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt.

Am Beispiel von Frankfurt am Main werden lokale klimatische Kernproblematiken erfasst und drei Zielsetzungen definiert: Verbesserung des Mikroklimas, Überflutungsvorsorge und Trinkwasserschutz. In einer Analyse der einzelnen Herausforderungen werden Unterschiede in den spezifischen Anforderungen an die urbanen Freiräume und ihre gestalterischen Konsequenzen herausgearbeitet und verglichen. Durch eine Kombination der drei Zielsetzungen werden positive und negative Korrelationen sowie noch nicht ausgeschöpfte synergetische Potenziale dargelegt. In einem integrierten Entwurf anhand zweier innerstädtischer Freiräume, der Heidestraße und dem Merianplatz, werden die blau-grünen Infrastrukturen auf ihre Anpassungsfähigkeit und räumliche Wirksamkeit hin geprüft und Visionen für die lokalen Akteure erarbeitet.
Durch die Verknüpfung bereits vorhandener Potenziale hinsichtlich urbaner Hydrologie und Vegetation werden mithilfe blau-grüner Infrastrukturen Synergien zur effizienten Nutzung der limitierten natürlichen Ressourcen erzielt. Sie können in Kombination mit der bereits vorhandenen konventionellen Infrastruktur einen Beitrag zur Klimaresilienz und Lebensqualität in den urbanen Räumen leisten und diese teils vollständig ersetzen. Durch die Betrachtung im konkreten Raum und der Darstellung von Alternativoptionen sollen Vorbehalte in der Planungsgemeinschaft, die in vielen Teilen Europas trotz fortschreitenden Diskurses immer noch vorhanden sind, abgebaut werden.

Begründung der Preiswürdigkeit

Lotta Steger hat in ihrer Bachelorarbeit zum Thema blau-grüne Infrastrukturen in höchstem Maße eigenständig gearbeitet. Im Rahmen der Vorstudien mit unterschiedlichen Zielsetzungen hat sie sich tiefgehend in das Thema eingearbeitet und ein eigenes Verständnis der Fragestellung entwickelt. Bei einem Ortsbesuch hat die Studentin die beiden Fallstudien (Merianplatz und Heidestraße) als passende Beispiele zur Anwendung der integrierten Strategien identifiziert. Die Übersetzung der theoretisch erarbeiteten und systematisierten Grundlagen in zwei Entwürfe ist ihr herausragend gelungen. Frau Steger hat damit ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt, mehrschichtige und komplexe Problemstellungen in einer integrierten Vorgehensweise zu bewältigen.
Die Arbeit war angegliedert an das Forschungsprojekt INTERESS-I und weist insgesamt ein sehr hohes Niveau für eine Bachelorabsolventin auf. Besonders hervorzuheben ist Frau Stegers Fähigkeit, ihre Umsetzungsstrategien auf Daten und Zahlen zu stützen. Darüber hinaus hat sie alle Schritte in der Arbeit anschaulich dargestellt und die Ergebnisse so aufbereitet, dass sie disziplinübergreifend vermittelbar sind. Die ansprechenden Visualisierungen haben bei allen Partnern im Forschungsprojekt, insbesondere der Stadt Frankfurt, sehr hohe Anerkennung erfahren. Lotta Steger ist mit ihrer Bachelorarbeit ein zukunftsweisendes, innovatives Beispiel für klimaresiliente Stadtgestaltung gelungen.

 

BEYOND ALPINE IMAGE – Landschaftsästhetische Konzeption zwischen Image und Identität im postindustriellen Alpenraum am Beispiel des Feuerfestwerkes in Leoben, Steiermark

Verfasserin: Bernadette Brandl 
Masterthesis (Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und industrielle Landschaft)
Betreuer: Prof. Dr. Udo Weilacher, M.A Irina Glander
Technische Universität München

Hinweis: Bernadette Brandl wurde bereits für ihre Bachelorarbeit mit dem bdla Nachwuchspreis 2016 ausgezeichnet!

© Bernadette Brandl

Abstract

Die ehemalige Feuerfeste der Steirischen Magnesit-Industrie AG (MAGINDAG) befindet sich in der österreichischen Stadt Leoben-Leitendorf. Die traditionsbewusste Stadt mit ihren dort ansässigen Global Playern in Wirtschaft und Forschung stärkt ihre Position als zweitgrößte Stadt in der Steiermark. Die 4,2 ha große Industriebrache der MAGINDAG ist ein Beispiel für den Industriewandel im Großraum der Alpen seit den 1980er Jahren. Genau diese landschaftlichen Lücken gilt es genauer zu untersuchen, in denen die Landschaft, ihre soziokulturellen, ökonomischen und ökologischen Ansprüche, genauso wie ihr Image und ihre Identität auf dem Prüfstand stehen. „Beyond Alpine Image“ geht auf Tuchfühlung mit dem Umgang einer neuen Landschaftsästhetik in einem sich wandelnden Großraum.

Der hier vorgeschlagene Entwurf soll aufzeigen, wie alpine Gemeinden wie Leoben ihre Industriebrachen als Chance für eine neue, nachhaltige Kulturlandschaft betrachten können. Einerseits werden die ortscharakteristischen Qualitäten der Konversionsfläche herausgearbeitet, indem eine behutsame Freiraumverknüpfung zwischen dem städtischen Teil Leitendorfs und dem naturräumlich stark geprägten Häuselberg und der Mur angestrebt wird. Andererseits werden darüber hinaus auch die Betrachtungsebenen auf Stadtteilebene und Stadtebene miteinbezogen, sodass lokale wie auch regionale Angebote zum Landschaftswandel beitragen können. Nach dem Vorbild der Raumbildtheorie des Soziologen Detlev Ipsen soll der Ort nach den Bedürfnissen des heutigen gesellschaftlichen Entwicklungsmodells modelliert werden. Ein Link zwischen traditionellen beziehungsweise ortstypischen Gegebenheiten und den neuen Transformationsprozessen soll hergestellt werden, sodass die Besonderheiten des alpinen Standorts hervorgehoben werden und die raumsoziologische Bedeutungskraft dieses Ortes wieder aufgewertet wird. Durch nachbarschaftliche und regionale Angebote wird ein Spannungsfeld aus intensiven und extensiven Räumen erzeugt. Zwischen Image und Identität geht es darum, lokale und regionale Maßstabsebenen in Bezug zu setzen, um als Katalysator für die Weiterentwicklung im 21. Jahrhundert zu dienen.

Begründung der Preiswürdigkeit

Bernadette Brandl leistet mit ihrer Arbeit einen hervorragenden Beitrag zu der aktuell relevanten Frage, wie man die zahlreichen Industriebrachen im Alpenraum unter den speziellen soziologischen, ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen einer Hochgebirgsregion erfolgreich umnutzen kann. Ihre Arbeit ist eng verknüpft mit dem aktuell laufenden EU-Forschungsprojekt „Transformation of Alpine Industrial Landscapes (trAILs)“ unter der Regie der TU München und liefert nicht nur exzellente entwerferische Ansätze zur Problemlösung sondern darüber hinaus auch wertvolle Hinweise für die praxisorientierte Forschung in diesem komplexen Themenfeld.
Mit ihrer sehr guten Arbeit, bestehend aus professionell ausgearbeiteten Entwurfsplänen und Modellen sowie einem umfangreichen, vorbildlich verfassten Projektbericht belegt die Studentin eindrucksvoll, dass Landschaftsarchitektur als „forschende Entwurfsdisziplin“ oder „entwerfende Forschungsdisziplin“ ausgezeichnete Beiträge zur Lösung komplexer Raumentwicklungsprobleme in Europa leisten kann.

 

Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum

Verfasserin: Fanny Brandauer
Masterthesis (Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlicher Raum)
Betreuerin: Prof. Regine Keller
Technische Universität München 

 

© Fanny Brandauer

Abstract

Wie können und warum sollen Landschaft und landschaftliche Elemente ausgestellt werden? Ist Landschaft als komplexes, kontextabhängiges System überhaupt ausstellbar? Oder kann sie nur fragmentarisch, aspektisch und in ihre Bestandteile zerlegt wiedergegeben werden? Ist es dann noch Landschaft oder nur ein Abbild von ihr? Und was hat die Disziplin der Landschaftsarchitektur damit zu tun?

„Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum“ versucht Antworten auf Fragen der innenräumlichen Ausstellbarkeit von Landschaft zu finden. Aus einer landschaftsarchitektonischen Perspektive wird die fachliche Relevanz des Mediums Ausstellung beleuchtet und die Schnittstelle zwischen Landschaftsarchitektur, Bildender Kunst und Ausstellungspraxis untersucht. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile: Das Theorie-Booklet stellt das Hauptwerk der Thesis dar und umfasst den theoretisch-analytischen Teil, der sich mit ausgestellten Landschaften im Innen- und Außenraum, Landschaftsinstallationen und dem Beziehungspaar Landschaftsarchitektur und Bildende Kunst auseinandersetzt. Im Entwurfs-Booklet finden sich alle konzept- und entwurfsrelevanten Erläuterungen und Darstellungen für den praktischen Teil der Arbeit „Reminiszenz an die Alpenblume“. „Reminiszenz an die Alpenblume“ ist eine Rauminstallation, die sich mit dem Erinnern an eine spezifische Landschaft beschäftigt. In einer geschlossenen Box, die äußere Einflüsse abhält und den visuellen Bezug zum umgebenden Raum unterbindet, wird die gewählte Landschaft hochkonzentriert wiedergegeben. 

 

Städtebauliche Entwicklung südlicher Ortseingang Pfaffenhofen a. d. Ilm

Verfasser: Alexander Fritsch
Bachelorthesis (Studienschwerpunkt Stadtplanung)
Betreuer: Prof. Christoph  Jensen, Prof. Susanne Burger
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

© Alexander Fritsch

© Alexander Fritsch 

Abstract

Die Thesisarbeit beschäftigt sich mit Ortsrändern in stark expandierenden Gemeinden und leistet eine inhaltliche Auseinandersetzung mit deren städtebaulichen und landschaftlichen Möglichkeiten. Welche Rolle spielt ein Ortsrand bei der Wahrnehmung eines Ortes? Welche strukturellen Funktionen soll er erfüllen? Wie sieht ein kluger Umgang mit einem Ortsrand in wachsenden Gemeinden aus? Gibt es da überhaupt einen Ortsrand? Ausgehend von einer übergeordneten Betrachtung wird der südliche Ortsrand von Pfaffenhofen in seiner langfristigen Entwicklung skizziert. Alexander Fritsch hat in seiner Arbeit den Ortsrand als Zwischenraum im permanenten Transformationsprozess wahrgenommen, als „Flickenteppich“ aus Nutzungen, Verbindungen und Raumabfolgen. Aus diesen drei Schwerpunkten leitet er drei Entwurfsstrategien ab, aus denen schließlich fünf strategische Werkzeuge herausgelöst werden, die in einer Toolbox zusammengeführt werden. Dabei vorhandene Ressourcen zu nutzen und / oder neu zu denken oder zu interpretieren ist für die Wahl des „richtigen“ Werkzeuges entscheidend. Der Bezug zum Ort, zum Vorhandenen liegt dabei zugrunde.

Begründung der Preiswürdigkeit

Die Thesisarbeit von Alexander Fritsch gibt auf konzeptioneller Ebene Handlungsangebote zum Umgang mit Ortsrändern, die aus einer fokussierten analytischen, systematischen Betrachtung des Ortes und dessen individuell-situative Interpretation zu einer begründeten Handlungsableitung führen. Inhaltlich wie auch räumlich können dadurch unerwartete Lösungsansätze entstehen. Mit dieser Toolbox zeigt er die Befähigung professionell Fragestellungen auf ihre inhaltliche Substanz zu prüfen und kreativ und eigenständig zu gestalten. Das Thema wurde theoretisch umrissen und konzeptionell-strategisch in eine räumliche Situation umgesetzt. Dabei wurden die räumlich realen Gegebenheiten des südlichen Ortsrandes von Pfaffenhofen wie auch die möglichen Visionen seiner Entwicklung in den Fokus genommen und wirkungsvoll herausgearbeitet.

 

Der bdla-Nachwuchspreis ist mit je 250 € und einer Urkunde dotiert.
Die diesjährigen Auszeichnungen fanden mit freundlicher Unterstützung durch die Büros grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner  und Rockinger Landschaftsarchitektur am 24. Januar 2020 im Rahmen der Mitgliederversammlung 2020 statt.

       

 

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