65 Einreichungen, 21 Nominierungen und neun Auszeichnungen: Der erste Berlin-Brandenburgische Landschaftsarchitektur-Preis zeigt die Vielfalt aktueller Landschaftsarchitektur in Berlin und Brandenburg. Den Hauptpreis erhielt das Stiftungsensemble Spore & Publix von POLA Landschaftsarchitekten, der Publikumspreis ging an Campus Rütli CR² von studio polymorph Landschaftsarchitekten.
Am 27. August 2026 wurde erstmals der Berlin-Brandenburgische Landschaftsarchitektur-Preis vergeben. Aus 65 Einreichungen hatte die Jury 21 Projekte für die engere Auswahl nominiert. Neun Arbeiten wurden schließlich mit dem Hauptpreis, sieben Kategorie-Auszeichnungen und dem Publikumspreis gewürdigt.
Die ausgezeichneten Projekte könnten unterschiedlicher kaum sein: ein Dachpark, ein gemeinsam entwickelter Skaterplatz, neue Bildungsräume, ein klimaangepasster Stadtpark, gemeinschaftliche Gärten und ein Ort der Erinnerung und des Dialogs. Gemeinsam zeigen sie, wie breit das Aufgabenfeld der Landschaftsarchitektur heute reicht und wie eng Fragen von Gestaltung, Klimaanpassung und gesellschaftlichem Miteinander miteinander verbunden sind.
Hauptpreis für Spore & Publix
Den Hauptpreis erhielt das Stiftungsensemble Spore & Publix von POLA Landschaftsarchitekten in Berlin-Neukölln.
Die Jury überzeugte insbesondere, wie das Projekt auf vergleichsweise kleiner Fläche sehr unterschiedliche Freiräume miteinander verbindet: vom Vorplatz an der stark frequentierten Hermannstraße über den Durchgang und den geschützten Garten bis zum angrenzenden Friedhof und zur öffentlich zugänglichen Dachterrasse. Auch die Nutzungsoffenheit des Areals, die Materialqualität sowie Ansätze wie ReUse, Upcycling und Regenwassersammlung hebt die Jury hervor.
Juryvorsitzende Prof. Cordula Loidl-Reisch brachte ihre Bewertung bei der Preisverleihung auf einen prägnanten Punkt: Das Projekt zeige, „wozu Landschaftsarchitektur imstande ist“. Die Jury beschreibt einen Ort, an dem Geschichte und Zukunft miteinander verbunden werden.
Mehr als 1.000 Stimmen für den Publikumspreis
Der Publikumspreis ging an die Freianlagen Campus Rütli CR² von studio polymorph Landschaftsarchitekten.
Mehr als 1.000 Menschen beteiligten sich am Online-Voting und entschieden damit selbst mit, welches der 21 nominierten Projekte den Publikumspreis erhält. Die Freianlagen des Campus Rütli schaffen Bildungsräume ebenso wie Orte für Bewegung, Spiel, Erholung und Begegnung und beziehen dabei auch die Nachbarschaft ein.
Sieben weitere Auszeichnungen
Neben Haupt- und Publikumspreis vergab die Jury sieben Auszeichnungen in den Kategorien „Gemeinsam statt einsam“, „Kollaborationen“, „Neue Ästhetik“, „Nachhaltigkeit“, „Rückgrat“, „Technisch versiert“ und „Kiez und Provinz“.
Ausgezeichnet wurden unter anderem der Urbane Waldgarten Britz, der gemeinschaftlich entwickelte Skaterplatz Vetschau, die Freie Waldorfschule Prenzlauer Berg, der Einsteinpark, der Jüdische Garten in den Gärten der Welt, der Dachpark AERA und der Bürgergarten Angermünde. Die Projekte reichen damit vom Gebäudedach bis zum ländlichen Raum, von Bildungs- und Nachbarschaftsorten bis zu Fragen von Erinnerungskultur, Biodiversität und Klimaanpassung.
Zwei Perspektiven auf die Aufgabe der Landschaftsarchitektur
Dass Landschaftsarchitektur dabei weit über die Gestaltung einzelner Flächen hinausreicht, machten auch Schirmfrau Julia Paaß vom Netzwerk Zukunftsorte und Schirmherr Achim Wollschläger von der Bundesstiftung Bauakademie deutlich.
Julia Paaß richtet den Blick auf Orte als Voraussetzung für Begegnung, Beteiligung und gesellschaftliche Verbindung:
Dieser Tage braucht es mehr denn je offene Möglichkeits- und Experimentierräume. Orte, an denen Miteinander entstehen kann, gemeinsam gestaltet und gemacht wird.
Julia Paaß
Netzwerk Zukunftsorte
Auch in ihrer Rede zur Preisverleihung ging es ihr darum, wie Landschaftsarchitektur Bedingungen dafür schaffen kann, dass Menschen nicht nur Räume nutzen, sondern mit ihrer Umgebung in Beziehung treten, Anteil nehmen und selbst aktiv werden. Sie sprach von öffentlichen Räumen, in denen man sich „zum Verweilen eingeladen fühlt“.
Achim Wollschläger setzt an einer anderen, ebenso entscheidenden Schnittstelle an:
Die interdisziplinäre Arbeit zwischen Architekt:innen, Landschaftsarchitekt:innen und Stadtplaner:innen bekommt gerade heute eine besondere Bedeutung.
Achim Wollschläger
Bundesstiftung Bauakademie
Für ihn müssen Gebäude, Begrünung, Regenwassermanagement und Freiraum stärker als zusammenhängende planerische Aufgabe verstanden werden. Gerade vor diesem Hintergrund misst er dem Berlin-Brandenburgischen Landschaftsarchitektur-Preis besondere Bedeutung bei.
Beide Perspektiven finden sich in den ausgezeichneten Projekten wieder: Landschaftsarchitektur schafft Verbindungen – zwischen Menschen und Orten, zwischen ökologischen und sozialen Anforderungen und zwischen Gebäude, Stadt und Landschaft.
Eine Bühne für Landschaftsarchitektur in Berlin und Brandenburg
Mit dem erstmals ausgelobten Preis möchte der bdla Berlin-Brandenburg sichtbar machen, welchen Beitrag Landschaftsarchitektur zu aktuellen Fragen der Stadt- und Regionalentwicklung leisten kann. Dabei ging es ausdrücklich nicht nur um fertiggestellte Vorzeigeprojekte. Auch Experimente, ungewöhnliche Prozesse und Arbeiten abseits etablierter Wege waren zur Einreichung eingeladen.
Die 65 Einreichungen und 21 nominierten Projekte machen deutlich, wie vielfältig diese Antworten ausfallen können: von Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft über Bildung und Beteiligung bis zur Gestaltung von Räumen für Begegnung und Zusammenhalt.
Unser Dank gilt allen Einreichenden und Nominierten, den ausgezeichneten Teams, der Jury, unserer Schirmfrau und unserem Schirmherrn sowie allen Partner:innen, Förder:innen, Unterstützer:innen und Mitwirkenden, die diesen ersten Preis möglich gemacht haben.
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