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Gartendenkmalschutz ist Zukunftssschutz

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Gartendenkmalpflege - Gedanken zur Profession

Von Prof. Dr. Caroline Rolka

Gartendenkmalpflege wird, als sogenanntes Orchideenfach, heutzutage der modernen Landschaftsarchitektur zugeordnet. Doch man hört, arbeitet man als Gartendenkmalpfleger:in, oft den Vorwurf der/s Ewiggestrigen.

Diese weit verbreitete Wahrnehmung, auch innerhalb unseres eigenen Berufsfeldes, speist sich aus einer langen Tradition eines nicht immer ganz einfachen Zusammenspiels von Eigentümer:innen, Planenden und Behörden, welches sich auch nur langsam umkehren lässt.

Die unter Denkmalschutz stehenden, tausendjährigen Eichen im Ivenacker Tiergarten. Seit jeher üben gerade alte Baumriesen eine besondere Faszination auf den Menschen aus und haben Künstler:innen zu Werken angeregt, die in die regionale, nationale und europäische Kultur eingegangen sind. Foto: Landesforst Mecklenburg-Vorpommern

 

Um die gegenseitigen Missverständnisse abbauen zu können, braucht es ein neues frisches Verständnis in der gegenseitigen Kommunikation, insbesondere im Zuge der sehr wichtigen Abwägungsprozesse, gute und kluge Ideen für die Umsetzung einer denkmalgerechten Bestandserhaltung und Pflege sowie mutige Planungen zur Weiterentwicklung von historischen Gärten.

Gartendenkmalpflege und Naturschutz

Als Gartendenkmalpfleger:in hört man manchmal, dass die Profession sich nur dem reinen Kulturblick widmet und sich dabei dem Blick gegenüber der Natur als Biotop verschließt.

Dabei wird aber immer wieder außer Acht gelassen, dass die Gartendenkmalpflege im höchsten Maße Interesse daran hat, zum Beispiel Altbäume in einem Garten als authentische Denkmalsubstanz zu pflegen und so lange wie möglich in ihrem originalen Wert für die Zukunft zu bewahren.

Prof. Dr. Caroline Rolka

Und genau diese Altbäume sind gleichzeitig sehr wertvolle Baummikrohabitate (BMH). Diese Baumveteranen, wie die Altbäume umgangssprachlich bezeichnet werden, sind überdurchschnittlich oft in alten Gärten zu finden, weil die Gärten aufgrund ihres hohen Alters und der gleichzeitigen mehr oder minder dauerhaften Pflege des Bestandes die Möglichkeiten des Überdauerns für selbige aufgrund der Kontinuität des Ortes bieten.

Eine Untersuchung zum Vorkommen von bestimmten Vogelarten in BMH am Beispiel der Ivenacker Eichen (Mecklenburg-Vorpommern) belegt die These, dass Altbäume "effektive Strukturen zur Förderung der Biodiversität in Waldökosystemen" (Sommer, 2024, S. 54) darstellen. An 15 untersuchten Altbäumen im denkmalgeschützten Tierpark Ivenack wurden im Rahmen der Studie insgesamt 27 Vogelarten beobachtet, davon am häufigsten vertreten Blaumeise, Kohlmeise, Buchfink, Star und Grauschnäpper.

Die konstituierende Denkmalsubstanz der als 1000-jährige Eichen datierten Huteeichen gehen in ihrem Ursprung auf eine Beweidung durch Schweine aus dem nahe gelegenen Ivenacker Kloster der Zisterzienser im 13. Jahrhundert zurück.

Grundsätzlich konnte mit dieser Untersuchung belegt werden, dass Bäume ein hohes Potential für Habitate aufweisen, dass mit dem Alter und der Komplexität des Baumes aber auch stetig zunimmt. 

Grundsätzlich konnte mit dieser Untersuchung belegt werden, dass Bäume ein hohes Potential für Habitate aufweisen, dass mit dem Alter und der Komplexität des Baumes aber auch stetig zunimmt.

Dies ist, wie auch in dem Artikel "Die stillen Zeugen der Zeitgeschichte" (Chambers, landschaftsarchitekt;innen 3/2025, S. 12) dargestellt wird, auf das zumeist größere Totholzvolumen, häufige Defekte wie Höhlungen und Wunden, zurückzuführen. "Daher sind sie [die denkmalgeschützten Altbäume] potentiell von viel höherer Bedeutung für Mikrohabitate und die biologische Vielfalt als Bäume in der Reifephase."

Inventarisation in der Gartendenkmalpflege

Gartendenkmalpflege wird oft als eine Wissenschaftsdisziplin dargestellt, die sich auf längst vergangene, alte Zeiten, bis maximal Mitte des 20. Jahrhunderts, konzentriert, ohne dabei jüngere Tendenzen in der Landschaftsarchitektur im Blick zu haben.

Einerseits ist dies sicherlich auf die emotionale Deutung des Menschen des Begriffes "alt", als etwas, das nicht mehr in den eigenen Erlebnisbereich fällt, zurückzuführen. Andererseits hängt diese Wahrnehmung sicherlich auch mit der Tatsache zusammen, dass erst in den 1970er-Jahren eine direkte Verankerung von Freiflächen in den Denkmalschutzgesetzen der Bundesländer stattfand. In der Zwischenzeit hat sich aber auch die Gartenkunst der Nachkriegsmoderne als eigenständige Epoche etabliert, wie verschiedene Publikationen dazu zeigen.

Und auch die Postmoderne, die sich etwa Mitte der 1970er-Jahre entwickelte und bis Anfang der 1990er-Jahre andauerte, wird mittlerweile als denkmalfähig eingestuft. So sind heute einige umfangreiche Stadt- oder Landschaftsplanungsprojekte aus dieser Zeitspanne unter Schutz gestellt.

Dazu gehören zum Beispiel die Außenanlagen der Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße in Berlin/Wilmersdorf, die, von 1979 bis 1981 von Paul-Heinz Gischow und Walter Rossow konzipiert, den zeittypisch neuen Ansatz der "Grünen" Stadtentwicklung dokumentieren.

Oder das von Hans Luz entworfene und 1993 umgesetzte Konzept zum "Grüne U" am Killesberg in Stuttgart, eine Verbindung von mehreren miteinander verbundenen Parkanlagen und Waldgebieten. Diese Beispiele gehören zu den jüngsten Denkmalen in Deutschland und stehen für einen zukunftsorientierten Schutzanspruch der jüngeren Gestaltungszeugen der Landschaftsarchitektur.

Dadurch soll möglichst frühzeitig die Akzeptanz in der Gesellschaft für diese jüngsten Zeitzeugen geweckt werden, denn viele dieser Anlagen drohen einfach aufgrund von Unkenntnis oder Unwissen zu verschwinden.

Geschichte der Gartenkunst

Die Geschichte der Gartenkunst wird oftmals als eine europäische erzählt. Begonnen wird diese Erzählung bei Karl dem Großen, der wahrscheinlich 812 die Hofgüterverodnung "capitulare de villis" erlies und die eine ausführliche Liste von Kräutern enthält, die den Artenbestand der spätrömischen Gärten darlegt.

Die Mitte des 16. Jahrhunderts angelegten Gärten der Villa Barbaro Maser von Andrea Palladio. © Caroline Rolka.

Die nachfolgenden gartenkünstlerischen Ideen stellen weitere Meilensteine der europäischen Kulturgeschichte dar: von der italienischen Renaissance, wie sie in Rom, im Vento (siehge Bild oben) oder in Florenz zu finden sind; die Gärten des Barock, nach dem Versailler Vorbild gebaut; die englischen Landschaftsgärten oder die eklektizistischen Gärten des 19. Jahrhunderts bzw. die Anlagen der Reformgartenbewegung aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhundert.

Aber dieser, auf die europäische Geschichtsschreibung fokussierte Blick greift viel zu kurz! Einflüsse aus aller Welt haben bei der Gestaltung der Gärten schon immer eine wichtige Rolle gespielt.

Prof. Dr. Caroline Rolka

So sei an dieser Stelle auf die vielen Gärten im asiatischen und orientalischen Kulturkreis verwiesen. Diese wesentlich älteren Anlagen sind mit Sicherheit Vorbild und Ideengeber gewesen für die europäische Gartenkunst.

Insofern kann man für den europäischen Garten resümieren, dass dieser von Anfang an ein multikulturell geprägter Ort der Begegnung gewesen ist. Eine Feststellung, die dem heutigen Miteinander sicherlich einen wichtigen Impuls zur Kommunikation liefern kann. 

Gartendenkmalpflege als Berufsfeld

Ein weiterer Punkt, der immer wieder im Zusammenhang mit der Profession der Gartendenkmalpflege geäußert wird, ist die Frage danach, wer die richtigen Bearbeiter:innen für das Themenfeld sind.

Allzu oft wird dieses als vermeintliches Spielfeld für Kunsthistoriker:innen betrachtet, schon allein vor dem Hintergrund, dass ein Teil der Aufgabenstellung darin besteht, historische Quellen zu suchen, zu sichten und auszuwerten, als Spurensuche für die Analyse der Anlagengenese des Gartens. Allerdings kann und muss dem dringend entgegengehalten werden, dass Gartendenkmalpflege weitaus mehr ist.

Vielmehr erfordert diese Planungsdisziplin einen professionellen Umgang mit dem Bestand durch eine profunde Bestandsaufnahme vor Ort, eine Beurteilung des tatsächlich bestehenden Denkmalwertes und nicht zuletzt auch eine kreative denkmalgebundene Weiterentwicklung im Bestand. Solche Planungen basieren auf den Grundsätzen der Charten von Venedig (1964) und Florenz (1981).

Für die Umsetzung dieser auf internationaler Ebene geschlossenen Planungsvorgaben bedarf es eines klugen, raumbezogenen Entwurfes, der sich, nicht zu laut in seiner Formensprache, in das vorhandene Denkmal einfügt und dieses im besten Fall in seiner Wirkung unterstreicht. Hierzu müssen die Planenden in der Lage sein, den eigenen Anspruch an Selbstdarstellung zu minimieren und das Denkmal in seiner historischen Gestaltung für sich sprechen zu lassen.

Die denkmalgebundene Neuinterpretation der zerstörten mittelalterlichen Mauersegmente in Neubrandenburg. © H+ Landschaftsarchitektur

Außerdem kommt zu diesem Anspruch an den Entwurf hinzu, dass viele verschiedene Anforderungen und Bedürfnisse an die heutigen historischen Grünanlagen gestellt werden, die es zu integrieren gilt, wie z. B. Barrierefreiheit oder heutige Nutzungsanforderungen (z. B. ressourcenintensive Veranstaltungen oder nicht auf das Denkmal ausgerichtete Nutzungen). Dabei müssen auch die Grenzen der Haltbarkeit und Verkehrssicherheit von Materialien beachtet werden. Außerdem spielt in den historischen Gärten immer mehr das Thema der Auswirkungen durch Klimaveränderungen eine große Rolle, was z. B. an den Folgen von Dürre oder Starkregenereignissen ablesbar ist.

Grundsätzlich müssen die Planungen im Bestand, neben der Denkmalgerechtigkeit, in starkem Maße den heutigen Ansprüchen an Attraktivität, Pflegeleichtigkeit und Nutzungsresistenz gerecht werden.

Leider gibt es dafür viel zu wenige qualifizierte Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland, lediglich die Universitäten in Dresden, Hannover und Berlin sowie die Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Erfurt und Neubrandenburg haben noch eigene Lehrstühle oder wissenschaftliche Mitarbeiter:innen für Gartendenkmalpflege.

Diese nicht all zu dicht gesäten Möglichkeiten der Ausbildung führen langfristig dazu, dass die Thematik in ihrer Komplexität, als zukunftsweise Planungsdisziplin, immer weiter verloren geht.

Auch um die Unteren Denkmalschutzbehörden ist es nicht besser bestellt. Hier finden sich in den wenigsten Genehmigungsbehörden ausgebildete Gartendenkmalpfleger:innen, außer vielleicht ein paar wenige in den Großstädten.

Dabei sollten die Verantwortlichen in den Kultusministerien bezüglich des bestehenden und noch kommenden Stellenabbaus bedenken, dass Garten-Denkmalschutz unbedingter Zukunftsschutz ist, der alle Key-Wörter im derzeitigen Umgang mit unserer Umwelt bereits seit sehr langer Zeit bedient – Gartendenkmalpflege ist nachhaltig, Ressourcen schonend, biodivers, ökologisch, kommunikationsfördernd und auch multikulturell.

Literaturverzeichnis:

  • Sommer, R., Schneider, J., Erzinger, P.: Baummikrohabitate und Vogelfauna im Hutewald »Ivenacker Eichen«, In: Waldökologie, Landschaftsforschung und Naturschutz, Heft 2022/24.

 

Weitere Informationen zum Thema


Autorin: Prof. Dr. Caroline Rolka, Landschaftsarchitektin bdla, Lehrgebiet Geschichte der Gartenkunst und Gartendenkmalpflege, Hochschule Neubrandenburg, bdla-Fachsprecherin Gartendenkmalpflege. Der Text erschien in der bdla-Verbandszeitschrift "Landschaftsarchitekt:innen" 4/2025.

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