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IFLA Europe Konferenz und Generalversammlung 2.-6. September 2026 in Riga

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Mit Steffi Schüppel, Gwendolyn Kusters, Almut Jirku, Jakob Endemann und Thomas Haas war der Berufsstand aus Deutschland erneut bei der 37. Konferenz und Generalversammlung von IFLA Europe in Riga vertreten. Den Auftakt bildete das dreitägige Konferenzprogramm unter dem Titel „Landscape in Transition – Reimagining Resilient Futures“ mit Exkursionen, Vorträgen und Workshops.

  • Bericht von der IFLA Europe Konferenz

Die IFLA Europe Conference wurde vom lettischen Verband LAAAB ausgerichtet. Austragungsort war das prachtvolle Splendid Palace, ein historisches Kino im Zentrum der Stadt. Die Eröffnung geriet eindrucksvoll: Zane Lasmane spielte auf der Kokle, dem traditionellen lettischen Saiteninstrument, während im Hintergrund ein Film über die Landschaften Lettlands lief. Die Begrüßung durch den Kulturminister Nauris Puntulis unterstrich den Stellenwert, den die Konferenz im Land genießt.

Caroline Martin, Sekretärin des Europäischen Landschaftsübereinkommens beim Europarat, zog in ihrer Keynote eine positive Bilanz der Konvention, wies aber zugleich darauf hin, dass Deutschland – neben Österreich, Liechtenstein und Monaco – sie bis heute nicht ratifiziert hat. Sie stellte zudem das neu erweiterte Register of Damage for Ukraine vor, in dem künftig auch Schäden an Parks und Gärten dokumentiert werden können.

Tim Waterman, Professor für Landscape Theory am Bartlett UCL, plädierte für eine anti-disziplinäre Planungskultur jenseits fachlicher Silos, für Landschaft als Prozess statt Produkt und für flachere Hierarchien in der Projektarbeit. Angesichts unsicherer Zukünfte forderte er, eher neue Fragen zu entwickeln als sich auf vorschnelle Antworten zu verlassen. Marina Cervera berichtete vom preisgekrönten Projekt Green Axes and Squares im Barcelonaer Eixample – inklusive der überraschenden Wendung, dass Gegner:innen des Projekts zwar vor Gericht Recht bekamen, angesichts der sichtbaren positiven Effekte aber letztlich auf einen Rückbau verzichteten.

Auch die Sessions boten Diskussionsstoff: Attila Tóth aus der Slowakei zeigte ein Projekt, das historische Spuren eines Ortes aufgreift, und plädierte für einen bewussten Umgang mit Erinnerung in der Landschaftsarchitektur – „the next layer is ours to design", Erinnerung sei nicht Endpunkt der Bewahrung, sondern Grundlage künftiger Transformation. Jürgen Furchtlehner aus Österreich stellte unter dem Titel Rethinking Streets in Vienna die Studie „Grünraumgerechtigkeit für eine resiliente Stadt – Visionäre Realitäten" vor (BOKU Wien und AK Wien, im Auftrag der Wiener Arbeiterkammer, 2023), die Empfehlungen für eine gerechtere Verteilung und bessere Zugänglichkeit von Grünflächen in Wien entwickelt. Die finnische Mitbegründerin von Nomaji, Varpu Mikola, erläuterte den im eigenen Büro entwickelten Ansatz Alku, der kindgerechte Landschaftsarchitektur und Stadtplanung entlang der Prinzipien Naturkontakt, Bewegung und alltägliches Lernen denkt. Das lettische Büro ALPS präsentierte die Neugestaltung des Riga Psychiatry and Narcology Centre, bei der schon in der Umsetzungsphase spürbare positive Effekte für die Patient:innen beobachtet wurden – eine der Exkursionen führte direkt dorthin sowie zu einem historischen Militärfriedhof.

Der IFLA Europe Award ging an Landezine. Eine Podiumsdiskussion mit Vertreter:innen von Landezine, der Barcelona Landscape Biennial, JoLA und weiteren Publikationen beleuchtete, wie sich die mediale Vermittlung der Landschaftsarchitektur wandelt.

Die Konferenz in Riga zeigte eine Landschaftsarchitektur im Übergang – zwischen Wiedergutmachung historischer Zerstörung, disziplinärer Selbstöffnung und dem Mut, gebaute Utopien gegen Widerstand zu verteidigen. Ob Erinnerungsarbeit in Ungarn, Grünraumgerechtigkeit in Wien oder kindgerechte Stadträume in Finnland: Auffällig oft ging es um die Frage, wessen Bedürfnisse Landschaft mitdenken muss und wie sich das in konkrete Entwurfsprinzipien übersetzen lässt. Für die eigene Praxis bleibt die Frage, wie sich diese Haltung – Landschaft als lebendiges, sich wandelndes System statt fertiges Produkt – in den engen Zeit- und Honorarrahmen unseres Alltags übersetzen lässt.

Steffi Schüppel

   

Riga • © Steffi Schüppel

Deutsche Delegation v.l.n.r. Jakob Endemann, Gwendolyn Kusters, Almut Jirku, Steffi Schüppel, Thomas Haas •

IFLA Europw Konferenz 2026 • © Steffi Schüppel

Exkursion IFLA Konferenz • © Steffi Schüppel

Exkursion IFLA Konferenz • © Steffi Schüppel

Selfie Gwendolyn Kusters, Steffi Schüppel, Thomas Haas • © Thomas Haas

IFLA Europe Generalversammlung 2026 • © Thomas Haas

Gruppenbild • © Olga Zvyagintseva

  • Bericht von der IFLA Generalversammlung

Traditionell im Anschluss an die Konferenz trat die Generalversammlung zusammen. Präsidentin Indra Purs begrüßte die Delegierten und berichtete über aktuelle Entwicklungen des Verbandes. Mehrere Landschaftsarchitekturorganisationen, unter anderem aus Bosnien-Herzegowina und Albanien, haben Interesse an einer Mitgliedschaft signalisiert. Der Georgische Landschaftsarchitekturverband AGLAE wurde einstimmig als vorläufiges Mitglied aufgenommen.

Ein Schwerpunkt der vergangenen Arbeitsperiode lag auf Ausbildung und Nachwuchsförderung. Bis 2031 soll ein Weißbuch zur Zukunft der Landschaftsarchitekturausbildung erarbeitet werden. In diesem Zusammenhang soll auch die Zusammenarbeit mit dem Europäischen Rat der Landschaftsarchitekturschulen ECLAS, dem LE:NOTRE-Forum und dem europäischen Studierendennetzwerk ELASA ausgebaut werden. Mit ELASA ist hierzu konkret eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) vorgesehen. Weitere Themen waren die Anerkennung von Landschaftsarchitektur-Studiengängen sowie die Entwicklung eines neuen Webauftritts. Finanziell zeigt sich der Verband weiterhin solide und ist derzeit an vier EU-geförderten Projekten beteiligt.

Auch personell gibt es Neuigkeiten: Dovilė Ivanauskienė aus Litauen wurde zur Schatzmeisterin und Hicham Karkouch aus Belgien zum Generalsekretär gewählt. Der langjährige Rechnungsprüfer André Colin erhielt für sein langjähriges Engagement die Ehrenmitgliedschaft. Als externen Gast begrüßte die Generalversammlung Caroline Martin, Sekretärin der Landschaftskonvention des Europarats. In ihrem Vortrag unterstrich sie die Bedeutung der Europäischen Landschaftskonvention.

Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Generalversammlung lag am letzten Tag auf dem Austausch zwischen den nationalen Berufsverbänden und der zukünftigen Zusammenarbeit innerhalb von IFLA Europe. In einer Lern- und Austauschrunde berichteten Mitgliedsverbände über ihre Erfahrungen unter anderem in den Bereichen Kommunikation, Mitgliederarbeit, Finanzierung, Verwaltung, Interessenvertretung und Wettbewerbe. Ziel war es, voneinander zu lernen und erfolgreiche Ansätze für die zukünftige Arbeit von IFLA Europe nutzbar zu machen.

Daran anknüpfend beschäftigte sich die Generalversammlung in den Beratungen der Fachausschüsse mit dem konkreten Arbeitsprogramm für das kommende Jahr. Bestehende Arbeitsgruppen, Projekte und Aufgaben wurden überprüft, neue fachliche Schwerpunkte und Netzwerke diskutiert sowie Fragen der Ressourcen- und Budgetverteilung behandelt. Inhaltlich reicht das Spektrum von der Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung in den Mitgliedsländern über die angemessene Berücksichtigung ländlicher Räume bis hin zu fachlichen Initiativen und Beiträgen zum Neuen Europäischen Bauhaus. Auch Aus- und Weiterbildung, soziale Medien, EU-Projekte und Sponsoring standen auf der Agenda.

Damit rückte insbesondere der Wissenstransfer, die Vernetzung der nationalen Verbände und die gemeinsame strategische Weiterentwicklung der europäischen Landschaftsarchitektur in den Mittelpunkt. Die nächste Konferenz und Generalversammlung finden vom 22. bis 24. Oktober 2027 in Lyon statt und werden vom französischen Landschaftsarchitektenverband FFP ausgerichtet.

Thomas Haas

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