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Zur strukturellen Schieflage der Ausbildungssituation in der Landschaftsarchitektur an bundesdeutschen Studienorten

Von Timo Herrmann

Die Landschaftsarchitektur ist unter Druck! Seit Jahren bemüht sich der Berufsstand, vor allem der Bundesverband mit dem Arbeitskreis Ausbildungswesen und den Landesverbänden intensiv um eine Verbesserung der Ausbildungssituation und die Erweiterung der universitären Ausbildungsstätten, da wir – wie viele andere Ingenieurberufe auch – einen eklatanten Fachkräftemangel haben.

Dazu kommen die aktuellen Entwicklungen rund um die Profession. So hebt eine Forschungsarbeit im Auftrag des Umweltbundesamts von 2025 die herausragende wissenschaftliche Bedeutung der Disziplin Landschaftsarchitektur für die Klimaanpassung hervor und benennt den Beruf der Landschaftsarchitekt:innen als zentral für die Bewältigung drängender Transformationsprozesse.

Es ist im Bereich der Landschaftsarchitektur ein enormer Ausbildungs- und Forschungsbedarf entstanden. 

Timo Herrmann
Vizepräsident des bdla

Als gesamtheitlich agierende und gestaltende Lage, komplexe räumliche Herausforderungen zu analysieren und mit ihren Forschungsbeiträgen Werkzeuge für die anstehende Transformation zu liefern. In Zeiten sich zuspitzender Klimakrisen ist dies unverzichtbar.

Aktiv in bildungspolitische Prozesse einbringen, damit die Arbeitsplätze im Bereich Landschaftsarchitektur nicht unbesetzt bleiben. © iStock Johnny Greig

    

Und auch international verbrieft: Auf der 29. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention (COP 2025) wurde eindrücklich die zunehmend zentrale Rolle der Landschaftsarchitektur bei der Bewältigung globaler Transformationsprozesse bestätigt. Die dynamische Entwicklung macht die Landschaftsarchitektur zu einem zukunftsweisenden akademischen Orientierungspunkt.

Lehrbetrieb an der TU Berlin in Gefahr

Intensiv wurde durch den bdla sich dafür stark gemacht, neue Hochschulausbildungsstätten in NRW und Hamburg zu etablieren. Was dies für ein schwieriges Unterfangen in Zeiten knapper  Budgets und Ressourcen ist, ist uns allen bewusst.

Dass dabei beinahe beiläufig ein Studiengang an einem Hochschulstandort verloren geht – noch dazu an einem der renommiertesten und traditionsreichsten, nämlich an der TU Berlin –, macht fassungslos, ärgert und ist in seinen Konsequenzen dramatisch.

Die Landschaftsarchitektur hat in Berlin eine lange Tradition und geht auf europaweit innovative Ausbildungsstätten in Berlin zurück. 1823 wurde die Königliche Gärtner-Lehranstalt als erste akademische Ausbildung für Gartenkünstler:innen durch Peter Joseph Lenné gegründet; 1929 war der Studiengang Landschaftsarchitektur die zweite Ausbildungsstätte an einer Universität in Europa und feiert 2029 sein 100-jähriges Jubiläum. Berühmte Landschaftsarchitekt:innen wie Erwin Barth, Herta Hammerbacher und Hans Loidl wurden zum Teil selbst an der TU Berlin ausgebildet und haben hier gelehrt.

Im Zuge von Kürzungen um die 2000er Jahre verblieben von den ursprünglich acht Fachgebieten der Landschaftsarchitektur noch vier und diesen stehen weitere Einschnitte bevor: Die Lehre im Fachgebiet »konstruktions- und materialbezogenes Entwerfen« (ehemals Landschaftsbau) soll künftig lediglich durch Gastprofessuren und Honorardozenturen gesichert werden. Zudem ist vorgesehen, das Fachgebiet »Landschaftsarchitektur Entwerfen« bis 2029 aufzugeben. Damit würden infolge anhaltender Sparzwänge nur noch drei Fachgebiete bestehen bleiben. Seit der ersten Einsparrunde vor über zwei Jahrzehnten arbeiten diese eng verzahnt und ohne strukturelle Redundanz.

Ein weiterer Abbau führt zwangsläufig zu einer Gefährdung des Lehrbetriebs und der Doktorandenausbildung. Der Nachwuchs an Fachleuten für Planungsbüros, öffentliche Verwaltung, Governance und Forschung kann nicht mehr gewährleistet werden.

Nicht zu vergessen ist, dass die Landschaftsarchitektur auch eine tragende Säule in der Lehrkräfteausbildung der TU Berlin ist – insbesondere im Studiengang für das berufliche Lehramt im Landschaftsbau. Schon jetzt ist klar, dass durch die neuerlichen beschlossenen Einsparungen an der TU Berlin die Zahl der Ausbildungsplätze in beiden Bereichen signifikant sinken muss und wird.

Die universitäre Ausbildung kommt zunehmend unter die Räder

Die Tendenz der Einsparung und Umschichtung im Ausbildungsbereich der Profession steht in einem größeren Kontext hochschulpolitischer Entwicklungen. Die Landschaftsarchitektur – wie inzwischen alle gestaltenden Berufe – gilt als anwendungsbezogene Disziplin. Diese sollen langfristig nur noch an Fachhochschulen gelehrt werden so beispielsweise die Meinung des Berliner Bildungssenats und die sich langsam durchsetzende Haltung in der deutschen Bildungslandschaft. Dies würde dazu führen, dass langfristig die Hochschulstandorte vollständig abgeschafft würden.

Mit den sich verschärfenden strukturellen Rahmenbedingungen laufen wir derzeit, zumindest in Berlin, Gefahr, einen wichtigen Ausbildungsstandort an einer Hochschule ganz zu verlieren. 

Timo Herrmann
Vizepräsident des bdla

Auch traditionsreiche universitäre Ausbildungsstätten wie die TU München, TU Dresden, Universität Kassel und Universität Hannover geraten zunehmend unter finanziellen Druck; darüber hinaus natürlich auch die Fachhochschulstandorte in der gesamten Bundesrepublik.
Die Landschaftsarchitektur steht wie kaum eine andere Disziplin an der Schnittstelle zwischen Gestaltung, Technik, Ökologie und Gesellschaft. Ihre Gegenstände – Freiräume, Infrastrukturen, urbane und ländliche Landschaften – sind nicht nur gebaute Architekturen und Umwelt, sondern soziale Räume, politische Aushandlungszonen und ökologische Systeme zugleich. Gerade deshalb ist ihr Anspruch hoch: evidenzbasiert, interdisziplinär und zugleich normativ wirksam zu sein.

Ein genauerer Blick auf die Struktur wissenschaftlicher Finanzierung wirft eine unbequeme Frage auf: In welchem Maße folgt die Disziplin ihren eigenen inhaltlichen Notwendigkeiten – und in welchem Maße ist sie durch externe Finanzierungslogiken geprägt?

Position beziehen pro Forschung und Lehre in der Landschaftsarchitektur

Ein Blick auf die Forschungsförderung in Deutschland zeigt eine klare Hierarchie. In den Bewilligungen der Jahre 2020 bis 2022 der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG entfielen auf den Fachbereich Informatik mit System- und Elektrotechnik rund 716 Millionen Euro, auf Bauwesen und Architektur – also das unmittelbare institutionelle Umfeld der Landschaftsarchitektur – lediglich etwa 178 Millionen Euro. Diese Differenz verweist auf strukturelle Ungleichgewichte in der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit und Ressourcenverteilung. Felder mit hoher technologischer und ökonomischer Anschlussfähigkeit sind deutlich stärker ausgestattet als solche, deren übersetzen lässt.

Die Schieflage in der Wichtigkeit von Studiengängen und deren ökonomischen Erhalts an Universitäten wird durch die Rolle der Drittmittel stark beeinflusst. Sie sind längst nicht mehr bloß Ergänzung, sondern zentrale Voraussetzung für die Forschung. Sie entscheiden über Personal, Projekte und letztlich auch über die Menge und Qualität der Lehre. Förderprogramme sind dabei häufig technologisch und wirtschaftlich orientiert. Projekte mit wirtschaftlich relevantem Bezug lassen sich leichter platzieren als solche, die Gestaltqualität, Aufenthaltsqualität, soziale Interaktion oder demokratische Teilhabe im Raum untersuchen.

Hier liegt das eigentliche Dilemma der Landschaftsarchitektur. Ihre zentralen Themen – das gebaute Lebensumfeld, das soziale Miteinander, die Qualität öffentlicher Räume, ökologische Stabilität und demokratische Aushandlungsprozesse – sind gesellschaftlich hoch relevant, aber nur bedingt drittmittelstark. 

Landschaftsarchitektur hat eine gesellschaftliche, gesellschaftspolitische Dimension und ist wesentlicher Teil einer demokratischen und demokratieerhaltenden Gesellschaft. Diese gilt es auch, durch Forschung und Lehre zu stärken.

Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, Position zu beziehen – in Fachverbänden, in Hochschulen, in der Politik und in der Öffentlichkeit. Wir müssen die Bedeutung der Landschaftsarchitektur als zentrale Disziplin der Transformation sichtbar machen, Allianzen stärken und uns aktiv in bildungspolitische Prozesse einbringen. Lasst uns handeln!

Weitere Informationen zum Thema


Autor: Timo Herrmann, Landschaftsarchitekt bdla, bbz landschaftsarchitekten, Vizepräsident des bdla. Der Text erschien in der bdla-Verbandszeitschrift "Landschaftsarchitekt:innen" 2/2026.

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